Donnerstag, 14. Januar 2016

[Buchtipp] "Elias & Laia. Die Herrschaft der Masken" von Sabaa Tahir


Inhalt:

Wie überlebt man in einer Welt, in der Männer mit silbernen Masken jeden Tag den Tod bringen können? Wie kann man sich selbst treu bleiben, wenn die Herrschenden des Imperiums alles dafür tun, voller Grausamkeit ein ganzes Volk zu unterjochen? Elias und Laia stehen auf unterschiedlichen Seiten. Und doch sind ihre Wege schicksalhaft miteinander verknüpft.
Während Elias in der berühmten Militärakademie von Schwarzkliff dazu ausgebildet wird, als Elite-Krieger die silberne Maske der Macht voller Stolz und ohne Erbarmen zu tragen, muss Laia täglich die Willkür der Herrschenden fürchten. Als ihre Familie ermordet wird und ihrem Bruder die Hinrichtung droht, schließt sie sich dem Widerstand an. Als Sklavin getarnt, dringt sie in das Innerste von Schwarzkliff vor. Dort trifft sie auf Elias, den jungen Krieger, der eigentlich ihr Feind sein müsste ...

(Bild- und Textquelle: Bastei Lübbe)



Meinung:


Einstieg ins Buch:
Mein grosser Bruder kehrt heim in den dunklen Stunden vor der Morgendämmerung, in denen sogar die Geister ruhen. Er riecht nach Stahl und Kohle und Schmiede. Er riecht nach dem Feind.     (Laia)
 

Ich finde es immer sehr spannend, wenn ein Autor einen bestimmten Grund hatte, sein Buch zu schreiben. Sabaa Tahir hatte sogar zwei davon: Zum einen ist sie in der Mojave-Wüste aufgewachsen, was das Setting von "Elias & Laia" beeinflusste, zum anderen hat sie sich nach der Lektüre eines Artikels über verschleppte Brüder und Männer im Kaschmir gefragt, ob sie ihre Brüder zurückholen würde.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich eigentlich dachte, dass Sabaa Tahirs Geschichte eine Dystopie sei, sie entpuppte sich dann aber schnell als High Fantasy.

Die Autorin hat eine faszinierende und facettenreiche Welt geschaffen. Auf der einen Seiten haben wir die Kundigen, die Eimheimischen, die für mich arabisch angehaucht waren, auf der anderen Seite stehen die Eroberer, die Martialen. Sie herrschen im Imperium, das mich stark an das römische Reich erinnerte. Nicht nur die Namen oder die ganze Militärakademie mit ihrem Drill weist deutliche Parallelen auf, auch die Kapitelüberschriften sind römische Zahlen. Und so kommt es, dass ich mich trotz komplexem Weltenaufbau recht schnell zurecht gefunden habe.

Das Leben besteht aus einer Million Augenblicke, die nichts bedeuten. Aber der Augenblick, als Darin geschrieben hat - dieser Augenblick bedeutet alles. Er war eine Mutprobe. Und ich bin durchgefallen.     (Laia, Seite 32)

Die Geschichte wird abwechselnd aus der ich-Perspektive von Laia und Elias erzählt. Mit ihr erleben wir als Einstieg gleich die Grausamkeit der Soldaten des Imperiums und ihren Anführern, den Masken. Ihre Grosseltern, bei denen sie lebt, werden vor ihren Augen umgebracht und ihr Bruder mitgenommen. Sie selber entkommt, hat aber ein so schlechtes Gewissen, dass sie ihrem Bruder nicht geholfen hat, dass es ihr Fixpunkt wird, ihn zu befreien. Aus diesem Grund schliesst sie sich dem Widerstand an und lässt sich auf eine sehr gefährliche Mission ein: Sie soll als Sklavin in der Militärakademie Schwarzkliff spionieren.

Elias steht auf der anderen Seite. Er ist nämlich der Beste des Abschlussjahrgangs von Schwarzkliff, bald soll er die Maske für immer tragen. Doch er kann sich damit nicht anfreunden und plant seine Flucht, als einer der mysteriösen Auguren ihn vor eine schwer wiegende Wahl stellt.

"Dieses Leben ist nicht immer das, wofür wir es halten", sagt Cain. "Du bist wie die Glut in der Asche, Elias Veturius. Du wirst funkeln und brennen, plündern und zerstören. Du kannst es nicht ändern. Du kannst es nicht aufhalten."     (Elias, Seite 80)

Beide Protagonisten empfand ich als sehr gut ausgearbeitet und Laia wie auch Elias machen eine enorme Entwicklung durch. Der Titel lässt auf eine grosse Liebesgeschichte zwischen den beiden schliessen, doch die Autorin rückt diese in den Hintergrund und baut sie sehr unaufdringlich in die Handlung ein, was ich sehr positiv wahrnahm. 
Auch die Nebenfiguren fand ich richtig gut gelungen, denn viele wussten zu überraschen oder wuchsen über sich heraus. 

Schnell konnten mich Elias und Laia mit ihren Schicksalen fesseln. Ich empfand es äusserst spannend, die Seiten der Unterdrückten und der Eroberern zu erleben. Der magische Anteil mit seinen Auguren, Dschinns oder Efrite wurde mit üblen Intrigen durchzogen und bald übte die Geschichte einen derartigen Sog aus, dass ich das Buch kaum noch aus den Händen legen konnte.
Sabaa Tahir schreibt so bildgewaltig, so dass ich mir "Die Herrschaft der Masken" auch gut als Leinwandepos vorstellen könnte.

Auf welche Stimme soll hören? Auf den Spitzel oder die Sklavin? Den Kämpfer oder den Feigling? Ich dachte, die Antwort auf solche Fragen sei einfach. Das war, bevor ich lernt, was richtige Angst ist.         (Laia, Seite 158)

Hier wird an gar nichts gespart und so erstaunt es auch nicht, dass es etliche brutale und grausame Szenen gibt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Das Ende ist wirklich sehr offen gehalten, erinnert beinahe eher an einen Anfang für etwas Grösseres. Nur gut, dass inzwischen klar ist, dass es mit "Elias & Laia" weitergeht.


Fazit:

mitreissend, emotional, aber auch brutal
"Elias & Laia. Die Herrschaft der Masken" fesselte mich von Anfang und bot alles, was mein Leserherz begehrt. Ganz grosses Kino!



Buchtipp von Nicole Forrer


Infos zum Buch:


Sabaa Tahir: "Elias & Laia. Die Herrschaft der Masken", Bastei Lübbe (one by Lübbe) (15. Mai 2015), 512 Seiten, 978-3846600092
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren



Mittwoch, 6. Januar 2016

haus für aug und ohr wieder offen


Die Mediathek ist wieder zu den gewohnten Zeiten geöffnet. Die Durchfahrt der Seestrasse  bleibt aber noch bis zum 10.1.2016 gesperrt.
Wir freuen uns, Sie wieder im haus für aug und ohr begrüssen zu dürfen.

das Mediatheksteam

Samstag, 2. Januar 2016

[Buchtipp] "Bannwald" von Julie Heiland


Inhalt:


Sie können nicht töten – als Anhänger der weißen Magie erschaffen sie nur. Seit Generationen lebt der friedliche Stamm der Leonen gefangen im Wald, gewaltsam unterdrückt vom Stamm der mörderischen Tauren. 
Als die 17-jährige Robin auf den jungen Tauren Emilian trifft, ist sie sich sicher, dass er sie töten wird. Doch Robin gelingt es zu fliehen – scheinbar. Erst später wird ihr bewusst: er hat sie laufen lassen. Warum?
Als Robin dann ein Reh mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken tötet, ist sie zutiefst erschüttert. Was ist mit ihr? 
Robin trägt ein Geheimnis in sich, und es gibt nur einen, der davon weiß – ihr größter Feind.

(Bild- und Textquelle: Fischer FJB)



Meinung:


Einstieg ins Buch:
Ich hasse den Wald. Ich hasse ihn aus tiefstem Herzen. Er tut so, als wäre er mein Zuhause. Aber das ist er nicht. Er ist mein Gefängnis. 

Robin hat mir den Einstieg in die Geschichte wirklich leicht gemacht. Schon die ersten Sätze faszinierten mich und weckten mein Interesse. Wir erfahren gleich einiges über den Stamm der Leonen, die Tauren, die Regeln und bekommen Robins Emotionen zu spüren. Durch die tollen Beschreibungen des Waldes schafft es Julie Heiland von Anfang an, eine spezielle Atmosphäre aufzubauen.

Im Mittelpunkt stehen die Leonen und die Tauren, die Sternenvölker sind. Diese sind an unsere Sternzeichen angelehnt, denn im Buch kommen auch noch Acuarier, Piscarien oder Virginen.
Eigentlich sollten die Sternenvölker im Einklang leben, doch die Tauren herrschen in einem strengen Regime über die Leonen. Diese dürfen ihr Waldstück nicht verlassen, müssen Abgaben leisten und sind den Tauren einfach ausgeliefert. Doch in der Geschichte gibt es immer wieder Andeutungen, dass da ein blinder Fleck in der Geschichte ist und dass da einiges nicht stimmt.

Robin ist eine starke und mutige Protagonistin, hat aber einige Ecken und Kanten, was sie für mich nur smpathischer und authentischer machte. Sie ist eigenwillig und stösst ihre Clanleute ab und zu vor den Kopf. Robin würde alles für die Leonen tun, doch sie ist anders als die anderen. Und je mehr Zeit sie mit Emilian verbringt, desto mehr wird ihr das auch bewusst.
Emilian ist ein Taure und gehört somit zu Robins Feinden. So ist er der perfekte Bad Boy, doch schnell wird klar, dass auch in diesem harten, muskelbepackten Kerl ein weicher Kern steckt.
Laurin ist von klein auf Robins bester Freund. Er möchte sie vor allem und jedem beschützen und ist dabei oft etwas übereifrig. Auch sonst ist er eher ein sanfter, ruhiger Typ.

"Vertraust du mir?", fragt er zurück. [...]
"Dir vertrauen? Soll das ein Witz sein?"
"Du hörst auf deinen Kopf. Nicht auf dein Herz." (Seite 113)

"Bannwald" zeichnet sich vor allem durch die tolle Atmosphäre aus. Julie Heiland schildert den Wald und das Leben mit der Natur äusserst lebendig und lässt immer wieder Beschreibungen mit in die Geschichte einfliessen, so dass man glaubt, das Laub rauschen zu hören. Zudem konnte sie mich mit ihrer Idee mit den Sternzeichen-Völker faszinierenund ich bin gespannt, was da noch alles kommt.
So entwickelt die Geschichte schnell einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch. In sehr vielen Jugendbüchern gibt es die schon zu genügend bekannte Dreiecksgeschichte bester Freund - Protagonistin - mysteriöser Fremder. So auch hier. Meiner Meinung nach hätte es das nicht gebraucht, doch dem Lesespass hat dies trotzdem keinen Abbruch getan.

Als ich zu Hause in mein Bett falle, fühle ich mich sagenhaft wohl. Unbesiegbar. Wie neugeboren. Meine Muskeln zittern noch vor Anstrengung, und ich könnte vermutlich keinen einzigen Schritt mehr machen. Aber es fühlt sich gut an. Als hätte ich all die Jahre etwas unterdrückt und könnte dem nun endlich freien Lauf lassen.     (Seite 159)

Die Geschichte ist meistens aus der ich-Perspektive von Robin erzählt, so dass wir ihre Gefühlswelt sehr schön zu spüren bekommen. Zwischendurch bekommen wir jedoch auch Einblicke in die Mitte der Tauren, was eine rassige Würze ins Spiel bringt.
Julie Heiland schreibt oft in kurzen Sätzen, was beim Lesen eine tolle dynamik entwickelt, so dass ich das Buch an einem Tag verschlungen habe.


Fazit:


Durch Julie Heilands spezielle Idee mit den Sternzeichen und der dichten Atmosphäre zog mich "Bannwald" wortwörtlich völlig in seinen Bann.
Urban Fantasy, die positiv überrascht und zum totalen Pageturner mutiert.



Buchtipp von Nicole Forrer


Infos zum Buch:


Julie Heiland: "Bannwald", FISCHER FJB (21. Mai 2015), 352 Seiten, 978-3841421081
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren