Donnerstag, 31. Oktober 2013

[Buchtippt] "Fräulein Jacobs funktioniert nicht. Als ich aufhörte, gut zu sein" von Louise Jacobs

Inhalt:


Louise Jacobs wird in die bekannte Kaffeeröster-Dynastie Jacobs hineingeboren. Und von vornherein steht fest: Auch sie soll einmal erfolgreich werden. Doch als Louise in die Schule kommt, wird bald klar, dass sie Mühe haben wird, mit den anderen mitzuhalten. Das Schreiben fällt ihr schwer, die Zahlen wirbeln bunt durch ihren Kopf. Ein Makel in ihrem leistungsorientierten Umfeld, den ihr zahlreiche Therapeuten und Nachhilfelehrer auszutreiben versuchen – vergeblich. Louise wird immer mehr zur Außenseiterin. Mit fünfzehn erkrankt sie an Magersucht und wird in eine Klinik eingewiesen. Nach der Entlassung ist vieles besser – doch die Frage bleibt: Was anfangen mit einem Leben, in dem man aus der zugedachten Rolle fällt? Und wo die Heimat finden, die man zu Hause vergeblich sucht? Louise flüchtet sich auf die Farm ihres Vaters in Vermont. Hier, inmitten der Natur, kann sie das sein, wovon sie als Kind immer geträumt hatte: frei. Und nicht nur das: Hier findet sie auch die Bestimmung für ihr Leben.

(Bild- & Textquelle: Knaur)


Meinung:


Die Autorin beschreibt in ihrer Biografie den schwierigen Weg des Erwachsenwerdens und der persönlichen Selbstfindung.

Das Buch erzählt von eine starke, jungen Frau, die von einer fast unmöglichen Idee „ein Cowboy zu werden“ träumt. Sie hinterfragt immer wieder den Sinn unseres (europäischen) Lebensstils und zeigt uns auf, wie viel Mut und Kraft sie für ein „normales Leben“ aufbringen musste. Die Ausführungen ihrer radikalen Lebensphasen (Magersucht) gehen total unter die Haut.

Beim Lesen dieses spannenden Buches empfinde ich eine heftige Sympathie für diese junge Kämpferin. Sie beschreibt in einer ehrlichen und direkten Art über die Schwierigkeiten und Hürden, die sie überstehen musste. Aus meiner Sicht hätte sie etwas mehr über ihre Beziehung zu ihren Eltern und Geschwistern weitergeben sollen.

Trotz allem finde ich, dass dieses Buch lesenswert ist. Man lernt daraus, junge Menschen mit psychischen Problemen besser zu verstehen und die Aussenseiter dieser leistungsorientierten Welt mit anderen Augen zu sehen.


Meinung von Prisca Schweizer


die Autorin:

Louise Jacobs, geboren 1982, wuchs in der Schweiz und den USA auf. Ihr erstes Buch "Café Heimat", die Geschichte ihrer Familie, erschien 2006 und stand monatelang auf der Bestsellerliste.
(Textquelle: Knaur)



Infos zum Buch:

Jacobs, Louise: “Fräulein Jacobs funktioniert nicht. Als ich aufhörte, gut zu sein”, 336 Seiten, Knaur (1. Februar 2013) , ISBN 978-3426655238



Mittwoch, 23. Oktober 2013

[bookstar] es regnet Preise

Schon im ersten Beitrag zum bookstar 2013 haben wir mitgeteilt, dass es für unsere Bibliotheksbesucher in diesem Jahr auch von unserer Seite etwas zu gewinnen gibt: nämlich einen 20.- sFr. ex libris Gutschein.
Doch nun gibt es eine sehr freudige Überraschung:
Die Verlage Fischer und Sauerländer unterstützen uns bei dieser Aktion und haben uns 15 Bücher aus ihrem aktuellen Programm zukommen lassen.

Ein ganz herzliches Dankeschön an die beiden Verlage, die eine so kleine Bibliothek wie unsere bei einem tollen Projekt unterstützen!


1. Preis:   20.- ex libris Gutschein

     


2. - 16. Preis:   eines dieser Bücher aus dem Fischer oder Sauerländer Verlag




Nun lohnt es sich also noch viel mehr mitzumachen! Und das ist auch ganz einfach:
  1. ein nominiertes und bei uns in der Bibliothek vorhandenes Buch lesen
  2. beim bookstar-Beitrag einen Kommentar verfassen, in dem der Titel des gelesenen Buches und die eigene Meinung dazu genannt wird:    *klick*
  3. auf das Losglück hoffen und gewinnen

Mitmachen und gewinnen können alle bei uns in der Bibliothek eingeschriebenen Leser Alle Kommentare, die 2013 verfasst werden, kommen in die Verlosung. Pro Buch kann jede Person einen Kommentar verfassen. So kann die Gewinnchance erhöht werden, jeder kann aber nur einen Preis gewinnen. Falls die Kommentare über den Namen nicht zugeordnet werden können, muss eine E-Mail-Adresse angegeben werden. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen.


Wir hoffen auf viele Teilnehmer, interessante Kommentare und sind gespannt, 
was euer bookstar-Favorit ist.


Donnerstag, 17. Oktober 2013

[Buchtipp] "Der amerikanische Architekt" von Amy Waldman

Inhalt:


Eine Jury hat sich in Manhattan versammelt, um den besten Entwurf einer Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags vom 11. September auszuwählen. Nach langwierigen Beratungen und einem zähen Ringen um das richtige Konzept öffnen die Juroren den Briefumschlag, der den Namen des bislang anonymen Gewinners enthält – und sind schockiert. Der Architekt ist ein Muslim.
Innerhalb der Jury setzt sich Claire Burwell am leidenschaftlichsten für den umstrittenen Gewinner ein. Als Betroffene, die ihren Mann bei dem Attentat verlor, hat ihre Stimme besonderes Gewicht. Doch als die Entscheidung an die Öffentlichkeit gelangt, gerät Claire ins Visier entrüsteter Familienangehöriger und wird zur Zielscheibe sensationshungriger Journalisten, radikaler Aktivisten und ehrgeiziger Politiker. Nicht zuletzt bringt der so komplizierte wie begabte Architekt sie an ihre Grenzen.
Amy Waldman zeichnet in ihrem furiosen Debüt das Porträt einer zerrissenen Stadt, die bei dem Versuch, mit ihrer Verletzung umzugehen, die Chance auf ein erneuertes demokratisches Selbstverständnis verspielt.

(Bild- & Textquelle: Schöffling & Co.)

Amy Waldman ist eine amerikanische Autorin und Journalistin. Sie arbeitete lange bei der New York Times, leitete dort das Südasien-Büro und war Korrespondentin für The Atlantic. Der amerikanische Architekt ist ihr Romandebüt, erschien im Verlag Schöffling & Co und wurde von Brigitte Walitzek ins Deutsche übersetzt. Amy Waldman arbeitet bereits an ihrem zweiten Roman.


Meinung:


Ich habe selten einen so dichten, psychologisch raffinierten und durchdachten Roman gelesen. Man merkt Amy Waldman an, dass sie aus dem Journalismus kommt, ihre Charaktere sind realistisch, die Geschichte perspektivenreich. Wie ein Potpourri aus Eindrücken und Meinungen erscheint der Roman, verwebt zu einer beeindruckenden Studie Amerikas und seiner Bewohner nach dem 11.September 2001. Ausgangssituation der Geschichte ist die Planung einer Gedenkstätte, die zu Ehren der Opfer des 11.Septembers gebaut werden soll. Man hat die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, sich mit ihren Entwürfen anonym an der Ausschreibung zu beteiligen. Die New Yorker spüren, dass der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.

Eine Jury würde sich, nach Sichtung der Einsendungen, für einen Gewinner entscheiden. Erst dann wird das Geheimnis um dessen Identität gelüftet – und genau an dieser Stelle setzt Amy Waldmans kleines Gedankenexperiment an. Denn es ist keineswegs ein durchschnittlicher amerikanischer Bürger, es ist ein Mann namens Mohammad Khan. Offensichtlich ist er Muslim, möglicherweise sogar ein praktizierender, ein Anhänger des Glaubens, der direkt in das Herz Amerikas zielte, hinein in das Selbstverständnis eines ganzen Landes. Die Jury ist schockiert und beginnt, hitzig zu diskutieren, ob sie diesen Gewinner überhaupt bekanntgeben kann, ohne Tausende von Angehörige vor den Kopf zu stoßen.
Einigen der Jurymitglieder kommen wir näher, so beispielsweise Claire Burwell, die bei den Anschlägen ihren Ehemann verloren hat und seitdem ihre zwei Kinder allein großzieht. Sie sitzt als Vertreterin der Angehörigen in der Jury und ist zunächst von dem Siegerentwurf auch völlig begeistert. Ein Garten soll es sein, ein Werden und Vergehen, ein Monument, das der Pflege bedarf, genauso, wie die Erinnerung an die Opfer stete Aufgabe der Hinterbliebenen sein sollte.
Die Jury verabredet Stillschweigen über das Ergebnis, bis sie die Situation geklärt haben, doch man kann sich vorstellen, dass diese Abmachung schnell von jemandem unterlaufen wird. Alyssa Spier, eine Reporterin der Couleur, wie sie hierzulande vermutlich die BILD-Zeitung beschäftigt, ist eine junge Frau mit Komplexen, eine Frau mit dem unbedingten Wunsch, ihre Geschichten auf den Titelblättern zu sehen, dafür bedient sie sich jedes noch so streitbaren Verhaltens. Sie wird diejenige sein, die zuerst die Juryentscheidung an die Öffentlichkeit bringt und innerhalb des Romans begegnet man ihr immer wieder, wenn die Situationen wiederholt eskalieren. Sie ist der Zunder, sie facht die Emotionen immer weiter an, bis selbst ihr die Geschnisse entgleiten. Doch auch in Mohammad Khans leben gewährt Waldman uns Einblick, in das Leben eines ambitionierten jungen Architekten, der, in Amerika geboren und aufgewachsen, mitnichten praktizierender Muslim ist, der dem Glauben keinen großen Stellenwert in seinem Leben einräumt. Dennoch wird er, auch nach 9/11, mit völlig anderen Augen gesehen, besonders an Flughäfen.

Amy Waldmans Roman ist vielschichtig. Einer seiner großen Qualitäten ist es, aus vielen verschiedenen Perspektiven auf das “Problem” zu blicken. So erfährt man nicht nur über das Leben einiger Jurymitglieder und kann sich auf dieser Basis seine eigenen Gedanken darüber machen, wie sie zu ihrer Meinung gelangen, wir sehen auch Menschen, die sich an der Katastrophe zu bereichern versuchen, die ihre persönlichen Eitelkeiten innerhalb der Debatte befriedigen, wir erleben die Menschen, die unmittelbar von den Feindseligkeiten betroffen sind – und so setzt sich nach und nach ein vollkommen realistisches Universum zusammen, dem wir zweifellos zusprechen, mindestens ebenso wahrscheinlich zu sein wie das, was tatsächlich passierte.

Wem vertrauen wir und warum? – ist eine zentrale Frage des Romans. Weshalb misstraut man diesem Mohammad Khan, der sich niemals irgendetwas hat zuschulden kommen lassen? Allein wegen seines Namens? Wie gehen wir mit nationalen Katastrophen um und wie beeinflussen sie unsere Wahrnehmung? Ist Mohammads Entwurf anfangs nur ein Garten, wird er im Zuge der stetigen Interpretation von außen plötzlich zu einem Paradiesgarten für Märtyrer, zu der Verbildlichung dessen, was sich die Attentäter erträumten. Amy Waldmans Buch ist mutig, brilliant und psychologisch hochintelligent, mit Sicherheit eines der Highlights dieses Jahres! Auch der englische Titel regt aufgrund seiner Mehrdeutigkeit zum Nachdenken an – The Submission lautet er, was im Deutschen sowohl die Unterwerfung als auch die Einreichung bedeuten kann.


Gelesen von Susanne Heeb, Rezension aus dem Internet übernommen unter:
 http://literaturen.wordpress.com/ - der Literatur - und Kulturblog.



Infos zum Buch:

Waldman, Amy: “Der amerikanische Architekt”, 512 Seiten, Schöffling & Co. (4. Februar 2013) , ISBN 978-3895614910