Donnerstag, 21. März 2013

[Buchtipp] "Dark Canopy" von Jennifer Benkau


Stell dir vor, du musst täglich ums Überleben kämpfen.
Stell dir vor, dein Gegner ist unbesiegbar.
Stell dir vor, du kommst ihm zu nah.
Stell dir vor, du verliebst dich in ihn.

Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr . . .

„Dark Canopy“ ist der erste von zwei Bänden.

(Bild- und Textquelle: Script5)


meine Meinung:

Einstieg ins Buch:
Ich hatte immer behauptet, der erste Percent, der in meinen Wurfradius tritt, würde ihn nicht lebend verlassen.

Aber es kam alles ganz anders.
Die Welt sieht nach dem dritten Weltkrieg alles andere als rosig für die Menschen aus. Die von ihnen eigens künstlich erschaffenen Percents sind als Sieger aus dem Krieg hervorgegegangen und beherrschen seitdem die Welt. Diese Krieger sind stark, furchtlos und sie hassen die Menschen. Doch auch sie haben trotz all ihrer Stärken eine Schwäche: Ihre Haut ist so sensibel, dass sie nicht ans Sonnenlicht gehen können. Damit dieses Problem kein Nachteil ist, wurde "Dark Canopy" erschaffen. Diese Maschine schleudert Staub in den Himmel, der die Sonne verdunkelt.

Genau das sieht man auch auf dem Cover. Der starke Farbkontrast hat mich sofort angesprochen und das Cover ist für mich ein totaer Eyecatcher. Es ist sehr düster gehalten, aufgewirbelter Staub verhüllt den Himmel, nur eine Weibliche Person steht im Sonnenlicht und streckt eine Hand aus.

In dieser düsteren Atmosphäre spielt die Geschichte von Joy. Sie wächst in einem Rebellenclan ausserhalb der Stadt auf und lernt dort von Kindesbeinen an, sich gegen die verhassten Percents zu wehren. Doch eines Tages gerät sie in eine Falle und ihr Leben verändert sich auf drastische Weise: Die freiheitsliebende Joy wird von ihren Todfeinden gefangen genommen und soll von einem von ihnen zur Soldatin ausgebildet werden.

Wegen der Dicke des Buches habe ich es mir zweimal überlegt, ob wirklich "Dark Canopy" meine nächste Lektüre sein sollte. Doch kaum hatte ich mit dem Lesen begonnen, hat mich die Geschichte gepackt. Nur schon die einzelnen Kapitelüberschriften machen hungrig auf mehr, sind sehr gut gewählt und etwas Spezielles:

Kapitel 6
wer sich verstecken muss,
lernt im dunkeln zu sehen.

Kapitel 18
die welt ist grösser, als wir denken -
weit draussen und tief in uns drin.
was mag alles möglich sein?

Die Geschichte ist mehrheitlich aus der Perspektive der Hauptprotagonistin Joy geschrieben, einzelne Kapitel zeigen uns durch Matthial`s Augen, wie es nach der Gefangennahme von Joy im Rebellenlager weitergeht.

Die Charakteren sind sehr facettenreich und interessant gezeichnet. Vor allem Joy hat mir sehr gut gefallen. Das Leben in dieser düsteren Welt und im Rebellenlager hat sie stark und kämpferisch gemacht. So will sie sich mit ihre Lage nicht einfach abfinden, obwohl sie auswegslos scheint. Mit allen Mitteln kämpft sie so für ihre Freiheit und auch ihre Wortgefechte mit dem Percent Neél sind nicht ohne. Jennifer Benkau hat ihre Gefühlswelt sehr schön beschrieben. Toll finde ich es auch, wie sich die Hauptprotagonistin ihre Gedanken macht, einiges hinterfragt und wie sie sich als Person weiterentwickelt. Schon nach kurzer Zeit kann man sich sehr gut in sie hineinversetzen und fühlt mit ihr mit.

Daneben ist Neél, der Percent, der Joy zum Soldaten ausbilden soll. Joy ist überzeugt, er ist wie alle Percents: bedrohlich, egoistisch, brutalt, halt einfach unmenschlich. Als Leser merkt man bald, dass an ihm etwas anders ist. Er weiss dies aber gut vor seinen Kollegen zu verstecken. Sein Charakter hat mich überrascht, überzeugt und war ein Lichtblick in Joys düsteren Welt.

"Helden findet man dort, wo man nicht nach ihnen sucht."

Jennifer Benkau hat mir mit "Dark Canopy" ein weiteres Lesehighlight in diesem Jahr beschert. Das Lesen ihres Erstlingswerks hat mich in einen Rausch versetzt und hat mich aufgewühlt: Eine grosse Liebesgeschichte in einer düsteren Zukunft, die einen wieder einmal die eigene Gesellschaft überdenken lässt. Ein Buch, das nachdenklich macht und überrascht.

Die Autorin schreibt sehr spannend, klar und verständlich. Sie benutzt beim Erzählen viele Metapher und so bekommt man ein tolles Leseerlebnis und ihr Schreibstil hebt sich von der grossen Masse ab, hat Wiedererkennungswert. Sie schafft es, für ihre Geschichte eine passend düstere, emotionsgeladene und aussergewöhnliche Welt zu erschaffen.

Das Ende ist wirklich grausam. Und das nicht nur wegen dem fiesen Cliffhanger, so dass man kaum den zweiten Teil erwarten kann. Dieser soll im Frühling 2013 erscheinen.


Fazit:

"Dark Canopy" ist eine düstere, emotionsgeladene Dystopie, die einem zum Nachdenken anregt und überrascht. Ein packendes Lesehighlight, das einen bei der Lektüre nicht mehr loslässt.


Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Jennifer Benkau: “Dark Canopy”, 524 Seiten, Script5 (1. März 2012)
ISBN 
978-3839001448

Altersempfehlung: junge Erwachsene, all age

Sonntag, 17. März 2013

[News] das Haus für Aug und Ohr bei Facebook


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[Buchtipp] "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green

„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.

(Bild- und Textquelle: Hanser)


meine Meinung:


Einstieg ins Buch:
Im Winter meines sechzehnten Lebensjahrs kam meine Mutter zu dem Schluss, dass ich Depressionen hatte, wahscheinlich, weil ich kaum das Haus verliess, viel Zeit im Bettverbrachte, immer wieder dasselbe Buch las, wenig ass und einen grossen Teil meiner reichlichen Zeit damit verbrachte, über den Tod nachzudenken.

Hazel hat mit ihren 16 Jahren schon viel durchgemacht: Sie leidet an Schilddrüsenkrebs, der sich über die Lunge als Metastasen ausgebreitet hat. Eine Sauerstoffflasche, die ihr das Atmen erleichter, ist ihr ständiger Begleiter. Diagnose: Unheilbar. Aus diesem Grund zieht sie sich immer mehr zurück, denn sie möchte so wenig Menschen wie möglich mit dem Schmerz belasten, den ihr Tod verursachen wird.

Der Grund, aus dem ich zur Selbsthilfegruppe ging, war derselbe, aus dem ich Krankenschwestern mit einer gerade mal achtzehn Monate langen Ausbildung erlaubte, mich mit Medikamenten mit exotischen Namen zu vergiften: Ich wollte meine Eltern glücklich machen. Denn es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit sechzehn an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt. (Seite 13)

Und nur um ihre Eltern glücklich zu machen, geht sie trotz eigenem Widerwillen zur Selbsthilfegruppe für krebskranke Teenager. Dort lernt sie eines Tages den einbeinigen Augustus Waters kennen. Sofort ist sie von ihm fasziniert, denn er ist witzig und charmant und geht so anders mit seiner Krankheit um als sie. Mit ihm konnte sie über alles reden: über Bücher, Musik, aber auch über den Krebs.

Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos. (Seite 117)

John Green erzählt die Geschichte aus der Sicht von Hazel Grace. Wir erfahren viel über ihr Leben und ihre Gefühlswelt. Dabei durchleben wir mir ihr die gesamte Gefühlspalette von distanziert sarkastisch, humorvoll offen, tragisch traurig, hoffnungsvoll ängstlich bis erschreckend ehrlich. Sofort habe ich sie in mein Herz geschlossen und mit ihr gelitten, geweint und gelacht. Hazel und Augustus sind beide ausserordentliche Persönlichkeiten: sympathisch, klug und absolut authentisch. Die Gespräche zwischen den zweien sind herrlich, zum Teil schon fast philosophisch, ab und zu sarkastisch und regen oft zum Nachdenken an.
Auch gefallen hat mir die Geschichte in der Geschichte. Hazel hat ein absolutes Lieblingsbuch: “Ein herrschaftliches Leiden” von Per Van Houten. Schon oft hat sie es gelesen und es ist für sie ein treuer Begleiter. Doch da das Buch sehr aprupt endet, möchte sie unbedingt herausfinden, was aus den verschiedenen Charakteren aus dem Buch veworden ist. So versucht sie gemeinsam mit Gus den Autor zu finden und ihn zur Rede zu stellen.
Recht früh konnte ich mir ausmalen, wie das Buch enden muss und obwohl ich mit meinen Befürchtungen richtig lag, las ich die Seiten atemlos, unendlich traurig und auch ein wenig schockiert.
Selten habe ich ein Buch erlebt, das mir so unter die Haut gegangen ist, das mich Tage später noch mit einem Kloss im Hals zurücklässt, das ich bestimmt nie mehr vergessen werde. Gänsehaut pur! John Green verzauberte mich mit seinem einfachen aber eindrücklichen Schreibstil von der ersten Seite an. “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” ist ein ganz besonderes Buch und hat bei mir Spuren hinterlassen. Es hat mich sprachlos zurückgelassen und nach der letzten Seite musste ich erst dreimal tief durchatmen. Es ging mir gleich wie Hazel: Während ich las, verliebte ich mich in das Buch, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos.

Fazit:

“Das Schicksal ist ein mieser Verräter” nimmt uns mit in eine Achterbahn der Gefühle. Die Geschichte von Hazel und Gus ist tiefgründig, dramatisch, ironisch, geht unter die Haut und lässt einen nicht mehr los. Deshalb: unbedingt lesen!

Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

John Green: “Das Schicksal ist ein mieser Verräter”, 288 Seiten, Hanser Verlag (30.07.2012)
ISBN 978-3-446-24009-4

Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 13 Jahren


[Buchtipp] "Kirschroter Sommer" von Carina Bartsch

Würdest du deiner ersten Liebe eine zweite Chance geben?

Die erste Liebe vergisst man nicht. Niemand weiß das besser als Emely. Nach sieben Jahren trifft sie wieder auf Elyas, den Mann mit den leuchtend türkisgrünen Augen. Der Bruder ihrer besten Freundin hat ihr Leben schon einmal komplett durcheinander gebracht, und die Verletzung sitzt immer noch tief. Emely hasst ihn, aus tiefstem Herzen. Viel lieber lenkt sie ihre Aufmerksamkeit auf den anonymen E-Mail-Schreiber Luca, der mit seinen sensiblen und romantischen Nachrichten ihr Herz berührt. Aber kann man sich wirklich in einen Unbekannten verlieben?
(Bild- und Textquelle: Rowohlt)


meine Meinung:


Einstieg ins Buch:
Es war jedes Mal dasselbe: Entweder die Zeit war von vornherein mein Feind, oder einer meiner Mitmenschen machte mir bei dem kläglichen Versuch, wenigstens einmal im Leben pünktlich zu sein, einen Strich durch die Rechnung.

Emily studiert in Berlin Naturwissenschaften und freut sich riesig, dass ihre beste Freundin Alex von München zu ihr in die Hauptstadt zieht, denn so können sich die beiden wieder regelmässig sehen. Einen Nachteil hat die Sache allerdings auch: Alex zieht zu ihrem Bruder Elyas und den möchte Emily am liebsten nie wieder sehen, denn nach einem Vorfall in ihrer Jugend hasst sie ihn.

“Kirschroter Sommer” ist aus der Sicht von Emily geschrieben und so taucht man mit ihr ab und bekommt einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelt. Wir erleben ihre Unsicherheiten, ihre Ängste, ihre Verletzlichkeit, ihren Hass, fühlen mit ihr, verstehen sie, beginnen zu zweifeln . . .

Als Emily nach Jahren des Verdrängens wieder auf Elyas trifft, weiss sie sich nicht anders zu helfen, als eine riesige Schutzmauer aufzubauen und ihn mit zum Teil wirklich fiesen Sprüchen auf Distanz zu halten und abzuschrecken. Doch das funktioniert nicht so ganz wie sich Emily das vorgestellt hat, denn auch Elyas ist nicht auf den Mund gefallen und er scheint grossen Gefallen an ihrem verbalen Schlagabtausch zu haben. So werden wir Zeuge von bissigen Wortgefechten, bei denen ich zum Teil laut auflachen musste. Carina Bartsch schreibt diese mit einem so herrlichen Humor, dass ich als Leser bestens unterhalten wurde und immer mehr wollte.

Mein Versuch, ihn wegzuradieren, funktionierte nicht im Geringsten. Elyas war keine dünne Bleistiftlinie, die man mal eben löschen könnte, nein. Elyas war schwarze Tinte, die sich in meine Leben saugte wie in trockenes Papier. (Seite 204)

Erst habe ich noch mit Emily sympathisiert, denn man merkt, dass ihr Hass auf Elyas die Reaktion auf eine tiefe Verletzung aus der Vergangenheit ist. Doch nach und nach lernt man Elyas besser kennen und spätestens als er dann seine Taktik ändert und auf Frontalkurs mit seinem “Schatz” Emily geht, war es um mich geschehen . . .
Elyas ist ein vielschichtiger und charismatischer Protagonist, der mir nach und nach immer mehr ans Herz gewachsen ist. Und obwohl auch ich ihm zwischendurch gerne einmal ein “Blödmann” an den Kopf geworfen hätte, merkte ich rasch, dass da mehr dahinter stecken musste.

Nebenbei unterhält Emily noch eine E-Mail-Bekanntschaft mit Luca. Es scheint, als finde Luca immer die richtigen Worte, denn er schreibt sich mit seinen Nachrichten direkt in Emilys Herz. Und obwohl (oder gerade weil) sie ihn noch nie gesehen hat, kann sie sich im gegenüber öffnen und so lernen wir die sonst so streitlustige und forsche Emily von einer ganz anderen Seite kennen.

Toll fand ich diese Achterbahn der Gefühle, dieses Hin- und Hergerissen sein und selbstverständlich diese knisternden Szenen, bei denen man fieberhaft die Seiten umblättert und sich mehr wünscht.
Carina Bartsch versteht es wie kaum eine andere Autorin, so authentisch, modern und emotional zu schreiben, dass ich selber auf diese Achterbahn der Gefühle mitgenommen wurde.

“Seine Augen… Es war wie ein Sprung in die Tiefsee, ohne Hoffnung, den Meeresgrund jemals zu erreichen.” (Seite 397)

Ich hatte grosse Erwartungen an “Kirschroter Sommer” und sie wurden übertroffen. Ich bin in die Geschichte von Emily und Elyas eingetaucht und erst nach 512 Seiten wieder aufgetaucht. Ich habe gelacht, gehofft, gebangt, mich geärgert, gelitten . . . mich verliebt.

Fazit:

“Kirschroter Sommer” ist für mich nicht einfach nur eine Liebesgeschichte. Ich hatte das Gefühl als wäre ich mittendrin und es kribbelte ganz schön beim Lesen.
Ich bin verliebt . . . . verliebt in zwei vielschichtige Protagonisten, in die bissigen Wortgefechte, in Carina Bartschs authentischen Schreibstil . . . in “Kirschroter Sommer”.

Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Carina Bartsch: “Kirschroter Sommer”, 512 Seiten, rororo; Auflage: 2 (25. Januar 2013)ISBN 978-3499227844


[Buchtipp] "Vampire Academy 01. Blutsschwestern" von Richelle Mead

Info:

St. Vladimir’s ist eine Schule für junge Vampire. Auch Rose Hathaway – halb Mensch, halb Vampirin – wird hier zur Wächterin ausgebildet. Sie hofft, eines Tages ihre beste Freundin Lissa zur Seite zu stehen, der letzten Überlebenden
der Vampirfamilie Dragomir. Da kommt es zu einer Reihe merkwürdiger Vorfälle.
Irgendjemand scheint es auf Lissas Leben abgesehen zu haben. Der Einzige, dem sich Rose anvertrauen kann, ist der attraktive Wächter Dimitri…
(Bild- und Textquelle: Lyx Verlag)


meine Meinung:


Einstieg ins Buch:
“Ich spürte ihre Angst, noch bevor ich ihre Schreie hörte.”

Obwohl es im Buch viele neue Begriffe für mich gab (z.B. Moroi, Damphire, Strigoi), bin ich gut in die Geschichte reingekommen, denn die Autorin erklärt die Begriffe nach und nach.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Rose, allerdings gibt es auch immer wieder Eindrücke und Erlebnisse aus der Sicht von Lissa. Zwischen den beiden Mädchen besteht nämlich ein Band, welches Rose ermöglicht, immer die Gefühle ihrer Freundin zu fühlen und bei besonders starken Schwankungen in deren Kopf hinüberzugleiten. Warum, weshalb, wieso das so ist- erklärt sich mit der Zeit.

Die Protagonistin selbst ist wunderschön und lenkt die Aufmerksamkeit vieler Jungs auf sich. Gleichzeit ist sie aber auch vorlaut, rebellisch und aufmüpfig. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und all diese Charakterzüge bringen ihr nicht nur Sympathien unter ihren
Mitschülern und Lehrern ein. Auf der andern Seite ist sie aber auch verletzlich, einsam, fühlt sich von ihrer Mutter im Stich gelassen und von der Welt nicht verstanden. Trotz allem ist es ihr grösstes Ziel, ihr Leben ganz ihrer Freundin Lissa hinzugeben und alles in ihren Kräften liegende zu tun, um diese zu schützen und für sie da zu sein. All diese Eigentschaften machen Rose authentisch und für mich sympathisch.

Vom Inhalt her hat das Buch etwa drei Hauptstränge, die miteinander verwoben wurden. Einer ist der Schulalltag. Da findet man die typischen Themen wie Lernen, Hausaufgaben, Cliquen, Freundschaften und Intrigen. Dann gibt es die ganze Geschichte mit der Gefahr,
die von den Strigoi ausgeht. Während Rose immer mehr wieder in ihr altes Internatleben zurückfindet, driftet Lissa immer mehr ab, verletzt sich selbst und muss “Anschläge” gegen sich ertragen. Zudem freundet sie sich “scheinbar” mit den falschen Leuten an. Und dann gibt es natürlich auch noch eine Liebesgeschichte zwischen Rose und Dimitri, ihrem Mentor, die noch die gewisse Romantik in die ganze Geschichte bringt.

Der Schreibstil von Richelle Mead hat mir wirklich gut gefallen. Das Buch lässt sich locker und flüssig lesen und ist über die gesamten 300 Seiten spannend. Sie hat gekonnt
witzige Situationen und einen Schuss Romantik eingebaut. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und hatte das Buch nach 24h ausgelesen.

Für mich gibt es im Buch keinen wirklich negtiven Punkte, ausser dass einige Aspekte schon etwas klischeehaft sind, und so hat mich der Einstieg in die Reihe überzeugen
können und ich wede bestimmt bald einmal den zweiten Band lesen. Für mich ist
“Blutsschwestern” kein Buch, das einen zum Nachdenken bringt oder das einen
aufwühlt. Es ist einfach gute Unterhaltung, bei der man abschalten kann und das
Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Fazit:

“Vampire Academy 1 ; Blutsschwestern” ist ein gelungener Reihenauftakt, dermit Spannung, Witz und einem Schuss Romantik aufwarten kann.

Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Richelle Mead: “Vampire Academy 01 ; Blutsschwestern”, 302 Seiten, Lyx (15. Januar 2009)
ISBN 978-3802582011


Infos zur Reihe:

  1. Blutsschwestern
  2. Blaues Blut
  3. Schattenträume
  4. Blutschwur
  5. Seelenruf
  6. Schicksalsbande
Band 1-3 führen wir schon in unserer Mediathek, die restlichen Bände werden nach und nach dazukommen.


[Buchtipp] "Die Bestimmung" von Veronica Roth

Altruan – die Selbstlosen

Candor – die Freimütigen

Ken – die Wissenden

Amite – die Friedfertigen

Ferox – die Furchtlosen

Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie. Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft. Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all derer, die sie liebt, bedroht…
(Bild- und Textquelle: cbt)


meine Meinung:

erster Satz:
“In unserem Haus gibt es nur einen einzigen Spiegel.”

Lange beherrschten gängige Fantasyromane erst mit Vampiren und dann mit Engeln den Jugendbuchmarkt, doch nun rückt ein “neues” Genre in den Vordergrund: Science-Fiction, genauer gesagt Dystopien. Nach dem Riesenerfolg der Trilogie “Die Tribute von Panem” sind viele Autoren auf dieses Trittbrett mit aufgestiegen, doch bis jetzt konnte noch kaum jemand Suzanne Collins das Wasser reichen. Ich sage bewusst “bis jetzt”, denn “Die Bestimmung” hat mich genauso aufgewühlt wie die Panem-Trilogie; besser gesagt, das Buch hat mich umgehauen und ich bin immer noch total begeistert!

Das Chicago der Zukunft, Beatrices Welt. Sie ist 16 Jahre alt und muss sich aus diesem Grund für eine der fünf Fraktionen entscheiden, bei der sie dann ihr Leben lang bleibt. Erschreckend fand ich dabei die Tatsache “Fraktion vor Familie”, sprich, falls Beatrice sich für eine andere Fraktion als die, in der sie aufgewachsen ist, entscheidet, wird sie ihre Familie nicht mehr sehen.

Während dem Einstieg ins Buch erlebt der Leser mit, wie Beatrice in der Fraktion der Altraun zurechtkommt. Sie legt zwar einige Züge der Selbstlosen an den Tag, zweifelt aber selber daran, dass sie in diese Fraktion gehört. Und so hat es mich als Leserin nicht gross überrascht, dass Beatrices Wahl an ihrem grossen Tag auf eine andere Fraktion gefallen ist: die Ferox. Und da der vorhergegangene Eignungstest sie als “Unbestimmte” deklariert hat, war es ihre freie Entscheidung. Dass sie aber keiner Fraktion eindeutig zugewiesen werden konnte, ist für sie eine grosse Gefahr und nach ihrem Eignungstest wurde ihr eingebläut, dass sie ja niemandem verraten dürfe, dass sie eine “Unbestimmte” sei.

Gemeinsam mit den anderen Neulingen der Fraktion durchläuft sie eine brutale Probezeit, an deren Ende nur zehn Juegndliche wirklich aufgenommen werden. Das Leben, das extreme Training und die Prüfungen bei den Ferox erscheinen einem wahnsinnig hart und herzlos. Umso wichtiger sind Freunde. Doch wem kann man wirklich vertrauen, wenn dieses Auswahlverfahren ein Jeder-gegen-jeden ist?

Die Charakteren in “Die Bestimmung” sind sehr facettenreich und machen erstaunliche Entwicklungen durch, allen voran Beatrice. Während dem harten Aufnahmeritual ändert sie ihren Namen in Tris. Ihre Namensänderung verdeutlicht gut ihre Entwicklung: von einem eher altmodischen Namen zu einer modischen Kurzform, von einem grauen, selbstlosen, immer höflichen Mädchen zu einer mutigen, loyalen, taffen Person. Es kommt beim Lesen schön heraus, dass diese Werte schon immer in ihr geschlummert haben und sie so eigentlich perfekt in ihre neue Fraktion passt. Da das Buch aus der Ich-Perspektive von Tris geschrieben ist, bekommt man ihre Gedankengänge, ihre Gefühle sehr schön mit.

Aber auch die anderen Protagonisten haben alle ihren eigenen Charakter und sind weder oberflächlich noch blass. Sie sind alle authentisch und haben der Geschichte noch das Tüpfelchen auf dem “i” verleiht. Four, Christina, Will, Al, Tris`Mutter . . . ich fand sie alle einmalig und auch die nicht so sympathischen Charakteren wie Eric oder Peter konnten mich überzeugen.

Beim Lesen war ich wie in einem Rausch und erwartete auf jeder neuen Seite einen erneuten Verrat, ein weiteres schlimmes Ereignis oder das Aufdecken eines der vielen Geheimnisse. Veronica Roths Schreibstil hat mich total gefangen genommen. Das Buch weist jede Menge Action und Geschwindigkeit auf, so dass man erst zur Ruhe kommt, wenn man die letzte Seite umgeblättert hat.

Das Ende hält auch noch die eine oder andere Überraschung bereit und liess meine Gefühle Achterbahn fahren. Und als ich den Buchdeckel geschlossen hatte, blieb ich einfach nur sitzen – in einer Art Starre – war hin und weg, aber auch ein bisschen enttäuscht, dass das Buch nicht mehr Seiten hatte. Zudem ist der Gedanken, dass ich nun so lange auf den zweiten Band warten muss, eine Qual.

Bei der ganzen Lektüre ist ein Wermutstropfen geblieben. Ich hätte mir mehr Informationen über die Katastrophe gewünscht, die zum Zustand der Stadt und der Aufsplittung in die fünf Fraktionen geführt hat. Ich hoffe, dass man darüber dann in Band 2 mehr erfährt.

“Die Ferox-Wachen schliessen das Tor und verriegeln es wieder. Sie verriegeln es von aussen. Ich beisse mir auf die Lippe- Weshalb schliessen sie das Tor von aussen und nicht von innne? Das sieht ja fast so aus, als wollten sie nicht jemanden aussperren, sondern jemanden einsperren, und zwar uns.”


Fazit:

“Die Bestimmung” ist ein erstaunlicher Debutroman von Veronica Roth, ein absoluter Pageturner und ein Muss für jeden Dystopie-Fan!

Buchtipp von Nicole Forrer

Infos zum Buch:

Veronica Roth: “Die Bestimmung”, Band 1, 480 Seiten, cbt (19. März 2012)
ISBN: 978-3-570-16131-9

vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 14 Jahren


[Buchtipp] "Der Junge, der Träume schenkte" von Luca Di Fulvio

Info:

New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens – mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag …
(Bild- und Textquelle: Bastei Lübbe


Meinung:

Das Buch spielt im frühen 20. Jahrhundert in New York.

Es erzählt die Geschichte der jungen Italienerin Cetta, die nach der Geburt ihres Sohnes Natale, den weiten und beschwerlichen Weg nach Amerika auf sich nimmt, in der Hoffnung dort ein besseres Leben für sich und ihren Sohn zu finden. In New York angekommen, muss sie viele Hürden nehmen und wird schließlich bei einem alten italienischen Ehepaar aufgenommen und bekommt, wie so viele Einwanderinnen zur damaligen Zeit, eine Arbeitsstelle als Prostituierte.

Natale wird auf Grund der Sprachbarriere schon bei der Einreise von einem Beamten umbenannt in Christmas, das englische Wort für Natale – Weihnachten.

Der Junge wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, seine Mutter Cetta versucht aber soweit es ihre Mittel zulassen, ihm all seine Wünsche zu verwirklichen. Sie will, dass aus Christmas ein richtiger Amerikaner wird, und er nicht immer nur als italienischer Einwanderer angesehen wird. Er hat eine sehr blühende Fantasie und ist ein sehr guter Geschichtenerfinder und Geschichtenerzähler.
Aber bald schon gründet auch er eine Gang, wie es damals in NY normal war, die Stadt wurde von Gangs beherrscht und regiert.

Eines Tages, Christmas war zu diesem Zeitpunkt 13, findet er auf der Straße ein verletztes Mädchen, dass er mit zu sich nach Hause nimmt.

Von diesem Zeitpunkt an fängt die Geschichte erst richtig an einen zu fesseln.

Fazit:

Dieser Roman liest sich sehr gut, ich musste mich nie überwinden ihn zur Hand zu nehmen.
Allerdings wird nichts beschönigt, das Leben war damals brutal und so wird es auch erzählt.

Vom Schreibstil würde ich es mit Carlos Ruiz Zafon (Der Schatten des Windes, Das Spiel des Engels) und Markus Zusak (die Bücherdiebin) vergleichen. Wer diese Bücher kennt und mag für den ist “Der Junge, der Träume schenkte” eine “Pflichtlektüre”.

Buchtipp von Susanne Heeb


Infos zum Buch:

Luca Di Fulvio: “Der Junge, der Träume schenkte”, 783 Seiten, Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 17 (2011)

ISBN: 978-3404160617

[Buchtipp] "Eismord" von Giles Blunt

Es herrscht tiefster Winter in Canada, alles ist zugefroren und vereist, es gibt massenweise Schnee.

Eine junge Frau hält sich unerlaubterweise in einem fremden Haus auf, welches zum Verkauf ausgeschrieben ist. Sie wird Zeugin eines Verbrechens. Zwei Menschen werden umgebracht. Die Leichen werden enthauptet aufgefunden, die Köpfe sind spurlos verschwunden. Wenig später werden sie grausig aufgespiesst an einer Schiffsanlegestelle gefunden. Bei den Ermordeten handelt es sich um reiche Amerikaner, welche im Pelztiergeschäft tätig waren.

Weitere mysteriöse Verbrechen geschehen. John Cardinal und seine Mitarbeiterin Lise Delorme nehmen die Fährte zum Mörder auf. Dabei kommen sie immer stärker in Berührung mit einer Killerorganisation, welche von einem Psychopathen angeführt wird.

Meinung:

Blunt schreibt in klarer und einfacher Sprache. Seine Geschichte ist sehr spannend und logisch. Der eiskalte Winter wird beim Lesen förmlich spürbar und trägt sehr viel zur Spannung der Geschichte bei.

Ausserdem beschreibt er meisterhaft die seelischen Abgründe des Psychopathen, welcher junge Erwachsene am Rande der Gesellschaft, zu seinen mörderischen Handwerkern manipuliert.

Die Person des Hauptkomissars John Cardinal ist glaubhaft und sympathisch beschrieben.

Buchtipp von Christina Capaul

weitere Thriller mit Johne Cardinal als Kriminalkommissar:

  • Gefrorene Seelen, 2004
  • Blutiges Eis, 2005
  • Kalter Mond, 2006
  • Eisiges Herz, 2007


Infos zum Buch:

Giles Blunt: “Eismord”, 416 Seiten, Droemer (2. November 2011)

ISBN: 978-3-426-19914-5

[Buchtipp] "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson


Inhalt:

Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch während sich der Bürgermeister und die lokale Presse auf das große Spektakel vorbereiten, hat der Hundertjährige ganz andere Pläne: er verschwindet einfach – und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht auf dem Kopf. Doch mit solchen Dingen hat Allan seine Erfahrung, er hat schließlich in jungen Jahren die ganze Welt durcheinander gebracht.

Jonas Jonasson erzählt in seinem Bestseller von einer urkomischen Flucht und zugleich die irrwitzige Lebensgeschichte eines eigensinnigen Mannes, der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war.
(Bild- und Textquelle: carl`s book)

Meinung:

Der Debütroman des schwedischen Autors Jonasson erschien erstmals im Jahr 2009. Im Folgejahr war der Titel das am meisten verkaufte Buch in Schweden. Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand stand auch in deutschen Bestsellerlisten auf Platz eins und erhielt durchweg positive Kritiken.

Allan Karlsson hat die Nase voll! Er hat keine Lust mehr, sich von der giftigen Altenpflegerin Alice bevormunden zu lassen. Und vor allem hat er keine Lust, seinen 100. Geburtstag mit dem Stadtrat und den ganzen anderen alten Leuten aus seinem Heim zu feiern. Deshalb steigt er kurzentschlossen aus dem Fenster.

Was dann beginnt, ist eine abenteuerliche Flucht. Unterwegs lässt Allan einen Koffer mit 50 Millionen schwedischen Kronen mitgehen, der eigentlich einer Gangster-Gruppe gehört. Mit diesem unerwarteten Gewinn beginnt für Allan ein später neuer Lebensabschnitt. Eine Meute von Polizisten, die “Never again”-Mafia-Truppe und eine Horde Journalisten jagen ihn. Doch Allan etabliert mit den Freunden, die er auf seiner Reise kennenlernt, in sein Geheimnis einweiht und zu Komplizen macht, ein eingeschworenes Team. Trotz etlicher Leichen, die leider und unvermeidlich am Wegesrand zurückbleiben müssen, löst sich später alles in Wohlgefallen auf: Eine saubere, stimmige Lügengeschichte überzeugt den Staatsanwalt von der allgemeinen Unschuld – und so endet dieser Plot wie im Märchen: Allan und seine Freunde reisen nach Bali, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute dort.

Im Jahr 1905 beginnt der zweite Handlungsstrang. Da verarbeitet Jonas Jonasson, was sich in 100 Jahren Weltgeschichte zugetragen hat. Genauer gesagt: Indem er Allan von einem Schauplatz zum anderen schubst, erschafft der Autor ein bewundernswert kompaktes, treffsicher komprimiertes, in seiner Struktur stimmiges Panoptikum von Staaten und ihren Lenkern, Realitäten und Ideologien. Doch Achtung: Wer auf Humbug hereinfällt, ist selber Schuld. (Zum Beispiel gibt Allan, Sprengstoffspezialist durch learning by doing und ahnungslos in Physik, Robert Oppenheimer den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe …)

Kapitelweise wechseln sich Episoden aus Allans Odyssee in der Gegenwart und seine Auftritte auf dem Parkett der Weltpolitik ab. Allan, der Naiv-Unpolitische, purzelt ungewollt und zufällig mitten in die Krisenherde der Welt. Er erhält Einladungen von Regierenden unterschiedlichster Couleur – Stalin, Truman und Franco, um nur wenige seiner Gastgeber zu nennen -, denn alle versprechen sich Vorteile – zumindest guten Rat, wenn nicht gleich die Atombombe. Dass Allan ungeplant und ziellos (“Es kommt, wie es kommt.” S. 40) Einfluss auf das Schicksal der Welt nimmt, lässt Geschichte oft als sinnlose, paradoxe Groteske erscheinen, wie einige Beispiele illustrieren: Allan soll auf Wunsch des Schahs von Persien einen Anschlag auf Churchill durchführen – und vereitelt ihn dann auf geschickte Weise selbst. Allan bekämpft mit Chiang Kai-shek (der porträtiert wird als Pantoffelheld seiner Frau Song Meiling, einer guten Freundin Roosevelts und Strippenzieherin) den Vormarsch Maos und der Kommunisten – und befreit später Maos Frau Jiang Qing aus dem Gefangenenlager der Kuomintang. Mao, sein neu gewonnener Freund, bedankt sich dafür fürstlich bei ihm – mit Geld, das auf Umwegen aus den USA
stammt. Allan arbeitet für die CIA in Moskau und wirbt einen sowjetischen Physiker an – doch dessen Wissen gibt er jeder Seite weiter, wobei Dichtung und Wahrheit gewissenhaft und glaubwürdig vermischt werden. Konsequenterweise reagiert Allan allergisch, sobald die Machthaber ihn ideologisieren wollen, denn als Sozialist, Republikaner, Kommunist oder Faschist lässt er sich nie abstempeln.

Diesen auf anspruchsvolle Weise amüsanten Roman mit einer sympathischen Kunstfigur als Protagonist habe ich in die Liste meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps aufgenommen.

Buchtipp von Susanne Heeb

Infos zum Buch:

Jonas Jonasson: “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand”, 416 Seiten, carl’s books; Auflage: 24. Auflage, (29. August 2011)

ISBN 978-3570585016

[Buchtipp] "Fünf" von Ursula Poznanski

Infos:

Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt. In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer Rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird …
(Bild- und Textquelle: Wunderlich)


Meinung:

Auf einer Kuhweide nahe Salzburg wird die Leiche einer Frau gefunden. Auf ihren Fußsohlen sind Zahlen und Buchstaben eintätowiert, die auf den ersten Blick keinen Sinn machen. Doch schnell erkennt Ermittlerin Beatrice Kaspary, dass es sich bei den Zeichen um Koordinaten handelt. Diese führen zu einem weiteren Fund: einer eingeschweißten Hand und damit einem neuen Opfer.

Es beginnt eine blutige Version des Geocaching, einer Art Schnitzeljagd, die weitere Tote fordert und auch Beatrice Kaspary in Lebensgefahr bringt.

Sie werden dieses Buch lieben, wenn …
Sie ein Freund von Rätseln sind und einen gut gemachten Thriller zu schätzen wissen. Geschickt baut die Autorin Ursula Poznanski in ihrem neuen Roman ‚Fünf‘ den Spannungsbogen auf, wirft immer wieder neue Hinweise auf den Täter in den Raum und entwirrt nach und nach das Knäuel der Hintergründe, die zu den Morden geführt haben.

Sie werden dieses Buch nicht mögen, wenn …
Sie schwache Nerven haben. Sie bekommen schon nach dem Sonntagskrimi im Fernsehen nachts kein Auge zu? Dann lassen Sie besser die Finger von Poznanskis ‘Fünf’.

Fazit:

Mittlerweile weiß ich, dass Bücher der Autorin Ursula Poznanski bedeuten: Telefon und Klingel ausschalten!
Mit “Fünf” beweist sie nach “Erebos” (und “Saeculum”) einmal mehr, dass dies auch dringend notwendig ist, denn ihre rasanten Storys lassen keinen Platz für Lesepausen oder anderweitige Unterbrechungen.

Der Grund liegt klar auf der Hand. Ihre Bücher besitzen eine unbeschreibliche Sogwirkung, sodass Bedürfnisse wie essen, trinken oder schlafen komplett ausgeschaltet werden. Sie hetzt ihre Leser gnadenlos von einer Seite zur anderen und macht sie zu Sklaven ihres temporeichen Schreibstils, der keinerlei Atempausen zulässt.

Dazu gibt’s noch Tipps für landschaftliche Sehenswürdigkeiten rund um Salzburg. Absolut lesenswert!

Buchtipp von Susanne Heeb


Infos zum Buch:

Ursula Poznanski: “Fünf”, 384 Seiten, Wunderlich; Auflage: 4 (16. Februar 2012) , ISBN 978-3805250313

[Buchtipp] "Raum" von Emma Donoghue

Bildquelle: Piper

Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Und dort versteckt sie ihn im Schrank, wenn Old Nick kommt … »Raum« trifft mitten ins Herz und wurde in den USA über Nacht zum Bestseller.

Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum. Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein Oberlicht und ist zwölf Quadratmeter groß. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …
Meinung:

Die Geschichte beschreibt die Beziehung von Mutter und Sohn und trifft mitten ins Herz. Der 5jährige Jack ist genau so, wie wir uns einen Jungen in diesem Alter vorstellen. Neugierig, stellt Fragen, die ein Loch in den Bauch brennen, ist voller Tatendrang und neuer Ideen. Er ist trotzdem ein Kind, das Beistand und Liebe für sich beansprucht. Auch die Mutter ist eine Figur mit der man sich identifizieren kann. Sie wirkt echt, einfühlsam dabei aber nicht kitschig.

Ich finde diese Geschichte ein helles Licht am Roman-Himmel. Die Handlung fliesst ohne viel Aktion und ist mit vielen kleinen Details wunderbar bestückt. Trotzdem wird
der Spannungsbogen immer mehr aufgebaut und lässt uns mit den Romanfiguren bis am Schluss hoffen und bangen.

Emma Donoghue ist eine begnadete Schriftstellerin, die bereits zahlreicht Romane und Erzählungen geschrieben hat. Diesem Roman „Raum“ ist in den USA über Nacht zum Bestseller geworden.

Buchtipp von Prisca Schweizer

Infos zum Buch:

Emma Donoghue: “Raum”, 416 Seiten, Piper; Auflage: 4 (August 2011) ,
ISBN: 978-3492054669

[Buchtipp] "Onkel Montagues Schauergeschichten" von Chris Pristley

Dieses Buch haben wir geschenkt bekommen. Eigentlich dachte ich ja, dass Schauergeschichten bei den Jugendlichen gut ankommen, doch das Cover ist wohl doch zu speziell, denn es blieb jetzt seit Juli ungelesen liegen. Da mir das Cover sehr gut gefällt, habe ich mich kurzerhand dem Büchlein angenommen, es nach Hause genommen und testgelesen.


Infos:

Onkel Montague lebt allein mit seinem mysteriösen Diener Franz in einem düsteren alten Haus. Obwohl der Weg zu ihm durch einen unheimlichen Wald führt, besucht Edgar ihn sehr gerne, denn Onkel Montague scheint über einen unerschöpflichen Vorrat an Schauergeschichten zu verfügen. Doch je mehr von diesen Geschichten Edgar hört, desto unbehaglicher ist ihm zumute. Draußen wird der Nebel immer dichter, im Haus wird es immer kälter, und seltsame Geräusche sind zu hören. Was hat es mit diesen Geschichten auf sich? Woher kennt Onkel Montague sie und warum bewahrt er Gegenstände, die in den Geschichten vor kommen, in seinem Haus auf ?
(Bild- und Textquelle: Bloomsbury Kinderbücher)


meine Meinung:

“Onkel Montagues Schauergeschichten” ist im Grund genommen eine Sammlung kurzer Gruselgeschichten, die in die Rahmenhandlung um Onkel Montagues und Edgar eingebettet sind. Beinahe alle handeln davon, dass ein Kind nicht auf die Warnung eines Erwachsenen hören will und so Bekanntschaft mit dem Grauen macht. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichten zu Beginn noch recht harmlos waren, dann wurde das Gruseln zusehends gesteigert und man hat sich mehr und mehr gefragt, was denn mit diesem Onkel Montagues und seinem Haus los ist, ob er wohl nicht doch selber ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt und ob Edgar in seinem Haus wirklich in Sicherheit ist. Die Geschichten sind nicht blutig oder brutal, sie spielen eher mit der Fantasie und dem Vorstellungsvermögen des Lesers.

Ich habe die einzelnen Geschichten sehr gerne gelesen, denn da sie so kurz sind, konnte ich einfach zwischendurch mal wieder eine lesen. Zum Teil haben sie aber ein bisschen ein abruptes Ende und ich hätte manchmal gerne etwas mehr erfahren.

Meine Highlights des Büchleins sind ganz klar die Illustrationen von David Roberts. Jede Kapitelüberschrift wurde liebevoll ergänzt und jede Schauergeschichte erhielt eine passende Zeichnung. Die Gestaltungstechnik von David Roberts unterstreicht die gruseligen Geschichten zusätzlich.

Auch das Cover ist von ihm gestaltet und gefällt mir ausgezeichnet. Eingeflochten sind die verschiedenen Gegenstände aus den einzelnen Schauergeschichten. Leider muss ich aber sagen, dass es Kinder nicht wirklich anspricht. Wohl wiedereinmal ein Titelbild von Erwachsenen für Erwachsene - und das auf einem Kinder-/Jugendbuch. Von daher befürchte ich, dass dieses schöne Büchlein weiterhin ein “Bibliothekshüter” bleibt. Auf jeden Fall werde ich versuchen, es dem einen oder andern schmackhaft zu machen.

Und wer sich auf das Buch ein bisschen einstimmen möchte, schaut doch einfach mal auf der schön gestalteten Homepage vorbei: http://www.onkelmontague.de/


Fazit:

Ein gruseliges Buch mit schaurig schönen Bildern.


Infos zum Buch:

Chris Pristley: “Onkel Montagues Schauergeschichten”, 224 Seiten, btb Verlag Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher (6. Februar 2010)

Altersempfehlung: 12-13 Jahre

[Buchtipp] "Die Schachspielerin" von Bertina Henrichs

Infos:

Das Zimmermädchen Eleni stößt eines Morgens beim Aufräumen eine Schachfigur um – und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Sie kann das geheimnisvolle Spiel der Könige einfach nicht vergessen. Als Eleni ein Trick einfällt, um das Schachspielen zu lernen, beginnt für sie ein Abenteuer mit unabsehbaren Folgen. Denn mit ihrer Leidenschaft riskiert sie bald ihre Ehe, ihren guten Ruf, ihr ganzes bisheriges Leben.
(Bild- und Textquelle: Diana Verlag)


meine Meinung:

Was eine umgeworfene Schachfigur nicht alles bewirken kann!

Als erstes muss ich betonenn, dass dieses Buch überhaupt nicht nur für Schachfans oder Leute, die Schach spielen können, ist. Es ist eher ein kleines Büchlein über Emanzipation, über Griechenland, über das Leben und den Kampf einer Frau.

Eleni ist 42. Dass sie auf der Touristeninsel Naxos lebt, hilft ihr wenig, ihr Leben aufregender zu gestalten. Sie hat einen Mann, zwei halbwüchsige Kinder und eine nicht mehr ganz tadellose Figur. Sie arbeitet als Zimmermännchen in einem der vielen Hotels. Ihr ganzes bisheriges Leben hat sie auf der kleinen Insel verbracht, noch nie ist sie verreist. Mit der Eintönigkeit ihres Lebens hat sie sich eigentlich schon abgefunden.

Doch dann wird alles anders. Aus Versehen stösst sie beim Putzen eines Hotelzimmers eine Schachfigur um und weiss nicht mehr, wo sie diese platzieren muss. Das lässt ihr keine Ruhe mehr. Doch ihr Mann, dem sie dann zum Geburtstag ein solches Spiel schenkt, hält davon überhaupt nichts. Sie bringt das Schachspiel aber nicht mehr aus dem Kopf. Hilfe findet sie bei ihrem 80jährigen ehemaligen Volksschullehrer Kouros, der ihr zeigt wie das Schachspiel funktioniert. Dadurch verstösst sie aber gegen die “ungeschriebenen Gesetzte” der Insel und ihre Familie, Freunde und Bekannte sind alles andere als begeistert. Kouros begleitet sie auf ihrem beschwerlichen Weg zur Selbstfindung und Unabhängigkeit.

“Die Schachspielern” ist der Debütroman von Bertina Henrichs. Er liest sich leicht und flüssig, hat aber durch die Thematik auch wirklich Tiefgang. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und ich werde das Buch bestimmt demnächst mal wieder verschenken.


Fazit:

Ein wirklich schönes Buch, das einem Mut macht, Wünsche zu haben und diese auch erfüllen zu wollen.


Infos zum Buch:

Bertina Henrichs: “Die Schachspielerin”, 176 Seiten, Diana Verlag (2. Juli 2007)
ISBN: 978-3-453-35172-1

[Buchtipp] "Gute Geister" von Kathryn Stockett

Infos:

Jackson, Mississippi, 1962: Die junge Skeeter ist frustriert. Nach dem Studium verbringt sie die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am Finger. Sehr zum Missfallen der Mutter. Doch der Mann, mit dem ihre Freundinnen sie verkuppeln wollen, ist ein hochnäsiger Snob. Und dann ist auch noch ihr schwarzes Kindermädchen, bei dem sie stets Trost fand, spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Und um diesem Ziel näher zu kommen, verbündet sie sich mit zwei Dienstmädchen, die ebenso unzufrieden sind wie sie: Aibileen zieht inzwischen das siebzehnte weiße Kind auf. Doch nach dem Unfalltod ihres einzigen Sohnes ist etwas in ihr zerbrochen. Und Minny ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Und gemeinsam beschließen die drei außergewöhnlichen Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern – in ihrer Stadt und in ihrem eigenen Leben.
(Bild- und Textquelle: btb)


Meine Meinung:

Der Roman beginnt in Jackson, Mississippi im Jahr 1962. Wie alle Frauen in Jackson soll die junge Skeeter einen Mann zum Heiraten finden. Ihr Studium ist fertig und sie sitzt fest auf der Baumwollfarm ihrer Eltern. Zudem ist das schwarze Kindermädchen bei dem sie Trost erhofft verschwunden.

Sie hat nur ein Ziel: Sie will nach New York und dort Schriftstellerin werden. Doch dafür braucht sie einen einschlagenden Bericht damit sie eine Chance auf eine Aufnahme in einem Zeitungsverlag erreichen kann.

In dieser Not verbündet sie sich mit zwei schwarzen Dienstmädchen Aibileen und Minny und lässt sich den zum Teil brisanten Alltag von Ihnen und anderen schwarzen Frauen über ihre Arbeitgeber, dessen Kinder sie aufziehen, erzählen. Sie beschliessen das Skeeter ein Buch aus diesen Lebensgeschichten schreiben soll.

Drei Frauen die der Gefahr des Entdeckens durch weisse Mütter trotzen, sich selber helfen und dabei auch ihre Vergangenheit bewältigen müssen. Gleichzeitig erfährt man von den politischen Veränderungen in diesem Teil des Landes, das auch diesen drei Frauen in ihrem Handeln bestärkt.

Die Geschichte ist fiktiv, doch sie gibt uns einen möglichen Einblick in den Alltag von Schwarzen Arbeitern und ihren weissen Arbeitgebern in den 60er Jahren.

»Gute Geister« ist Kathryn Stocketts erster Roman, der dank Mundpropaganda zu einem phänomenalen Überraschungserfolg wurde. Er kletterte auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste und hält sich nunmehr seit 100 Wochen auf den ersten Rängen.

Unter dem Titel “The Help” läuft die Verfilmung des Romans gerade in unseren Kinos. Ich habe ihn nicht gesehen, denke doch, dass das ein spannender, hintergründiger und trotzdem witziger Film sein könnte.

Buchtipp von Prisca Schweizer

Infos zum Buch:

Kathryn Stockett: Gute Geister, 608 Seiten, btb Verlag (28. März 2011)


[Buchtipp] "Geisterritter" von Cornelia Funke


Gespannt habe ich auf Cornelia Funkes neuen Roman “Geisterritter” gewartet und musste ihn dann auch gleich lesen, sobald die Bestellung bei mir eingetroffen war. Ich finde es faszinierend, wie vielseitig Cornelia Funke schreibt. Vom Erstlesebuch bis zum Jugendbuch, das auch gerne Erwachsene lesen, ist da alles mit dabei. Und so war ich auf das neue Thema “Geister” von ihr gespannt.

Inhalt:

Jon Whitcroft ist 11 Jahre alt und begehrt mit allen Mitteln gegen den neuen Freund seiner Mutter auf. Deshalb schicken sie ihn aufs Internat nach Salisbury. Strömender Regen, dunkle Gemäuer, enge Flure, fremde Gesichter und ein Zimmer, das er sich mit zwei Mitschülern teilen muss. Jon ahnt nicht, dass das bald seine geringsten Sorgen sein werden, denn in seiner sechsten Nacht im Internat tauchen plötzlich drei Geister unter seinem Fenster auf. Nur leider ist Jon der Einzige, der ihn sehen kann. Die scheinen es auf ihn abgesehen zu haben und so macht er sich mit Ella daran,
eine Lösung für sein Problem zu suchen.
(Bild- und Textquelle: Dressler)
“Bitte!”, hörte ich mich flüstern. Die Worte kamen wie von selbst. “Bitte, William Longspee. Hilf mir.”
Und plötzlich hörte ich Schritte. Klirrende Schritte, wie von Eisenschuhen. Ich drehte mich um.
Und da stand er.


Meine Meinung:

Cornelia Funkes neues Buch “Geisterritter” richtet sich dieses Mal wieder an ein etwas jüngeres Publikum. Mit den Themen Geister und Gitter, spricht es bestimmt auch viele Jungs an. So ist auch der erzählende Protagonist männlich.

Jon ist ein aufgeweckter Junge, der viel Gefühle zeigt. Erst der Hass gegen den Freund seiner Mutter, die Verzweiflung, dass er ins Internat muss, danach die Angst vor den Geistern und dann ist da auch noch Ella . . . mit Mädchen konnte er noch nie so gut . . .

Ella ist mutig und resolut. Was würde Jon nur ohne sie machen? Und Zelda, Ellas Grossmutter, ist eine skurille alte Frau, die einen gewissen Witz mit ins Buch bringt. Die Charakteren sind liebevoll beschrieben und ich habe die drei gleich ins Herz geschlossen.

Wie es in einem Kinderbuch immer ist, sind die Protagonisten entweder gut oder böse. Ausser bei einer wichtigen Schlüsselfigur trifft das nicht ganz zu. Da kommen selbst Jon irgendwann Zweifel. Seine zwiespältigen Gefühle sind da sehr gut nachvollziehbar und bringen der Geschichte zusätzliche Würze.

Spannend fand ich auch, dass Cornelia Funke reale, sagenumwobene Personen und Fakten aus der Geschichte mit eingebaut hat. Hilfreich ist, dass weitere Infos dazu und Erklärungen zu speziellen Begriffen im Glossar am Ende des Buches nachgelesen werden können.

Ein Wermutstropfen gibt es allerdings: Jon Whitcroft erzählt die Geschichte als etwa 19-Jähriger. Vor allem zu Beginn der Geschichte wird diese Tatasache oft eingeflochten, schlussendlich aber total weggelassen. So hat es mich schon etwas gestört, dass man am Ende nicht erfahren hat, wie es mit ihm im Internat weitergegangen ist und was aus ihm und Ella geworden ist.

Cornelia Funkes Schreibstil ist sehr unterhaltsam und angenehm zu lesen. Durch ihre detaillierten Beschreibungen gelingt es ihr, eine wirklich gruselige Atmosphäre zu schaffen. Zum Teil habe ich mich beim Lesen sogar gefragt, ob es für das Zielpublikum nicht sogar zu gruselig ist. Ich könnte mir schon vorstellen, dass nach dieser Bettlektüre der eine oder andere 10-Jährige nicht mehr gut einschlafen kann oder Alptrtäume bekommt.

Meistens illustriert Cornelia Funke ja ihre Bücher selber. Doch in diesem Buch hat das Friedrich Hechelmann übernommen. Seine Bilder runden die Spukgeschichte ab. Die Bilder, die meistens in Blautönen gehalten sind, sind sehr ausdrucksstark. Einzelne finde ich persönlich ein bisschen zu gruselig für Kinder.

Mir hat vor allem auch die Idee mit den Kapitelübershriften sehr gut gefallen: Unter dem Titel ist jeweils ein Bildausschnitt aus einem Bild des jeweiligen Kapitels zu finden.


Fazit:

“Geisterritter” bietet alles, was ein Kinderbuch braucht: Spannung, gruselige Geister, sagenhafte Ritter, eine skurile Grossmutter und zwei junge Helden. Es macht Spass es zu lesen und zeigt uns, wie wichtig Freundschaft ist.

“Die besten Freunde”, hat meine Mutter mal zu mir gesagt, “finden wir oft in den dunkelsten Zeiten, weil wir ihnen nie vergessen, dass sie uns geholfen haben, aus der Dunkelheit herauszufinden.”

Infos zum Buch:

Cornelia Funke: “Geisterritter”, 252 Seiten, Cecile Dressler Verlag, 2011
Altersempfehlung: ab 10 Jahren


[Buchtipp] "Der Regler" von Max Landorff


Das Cover ist ein Eyecatcher und liegt momentan in jeder Buchhandlung auf. Der erste Thriller von Landorff, schreibt er unter Pseudonym. Das hat mich neugierig gemacht ..

Inhalt:

Gabriel Tretjak ist der Regler. Für die Mächtigen und Reichen regelt er alles- Liebe, Karriere, Sex und Geld. Bis die bestialischen Morde geschehen und er erkennen muss: Du kannst alles regeln nur nicht deine Vergangenheit.
(Bildquelle: Scherz)

meine Meinung:

Ein moderner James Bond, der die privaten Angelegenheiten reicher Leute erledigt. Ein Profi, der die Vergangenheit hinter sich lässt, und die Zusammenhänge von Emotionen und Denken erforscht und diese Erkenntnis scheinbar gezielt für seine Aufträge einsetzt. Für mich ein äusserst guter Unterhaltungsthriller, der nicht allzu brutal daherkommt und noch verdaulich ist. Für den Regler gibt es keine Wahrheit, sondern nur eine konstruierte Wahrheit. Für ihn ist die menschliche Seele, eine Art Fabrik, die es zu erforschen gilt. Eine undurchsichtige Story, mit vielen Fährten, Spuren, die mit so mancher unvorhergesehener Überraschung aufwartet…bis eine völlig unscheinbare Person immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gelangt. 
Eine Story die davon erzählt, inwiefern wir die Macht haben uns Schicksal zu korrigieren. Ein Profi an der Grenze zum Kriminellen, ein ausgefuchster “Regler”, der alle Mittel der Manipulation zu beherrschen scheint. Dabei kann die Sprache schon fast poetisch wirken.

Fazit:

Ein klasse gemachter Thriller, dessen Brutalität sich
in Grenzen hält, dafür aber an Raffinesse und Cleverness, sich selbst zu
übertreffen scheint.



Infos zum Buch:

Max Landorff: Der Regler, 335 Seiten, Scherz Verlag, 3. Auflage 2011, für Erwachsene

[Buchtipp] "Töchter des Schweigens" von Elia Barcelo


Auch hier hat mich das Buchcover wieder inspiriert und meine Neugier war geweckt das Buch zu lesen. Ich bin der Typ Mensch, der Bücher auch gerne nach dem Äusseren aussucht, um sie zu lesen.

Inhalt:

Mit „Töchter des Schweigens“ legt die spanische Autorin Elia Barceló einen großartigen, ergreifenden und stellenweise fast schon epischen Roman vor. Sie erzählt von sorgsam gehüteten und gefährlichen Geheimnissen, von alten Sünden und Verfehlungen der Protagonisten, die nach langer Zeit ans Licht zu kommen drohen. Zugleich geht es um große Gefühle, nicht wieder nachzuholende Versäumnisse und die Suche nach dem großen Glück, die uns wohl alles irgendwie umtreibt. Von sieben Frauen wird berichtet, deren Leben durch ein schreckliches Geschehnis in einer mallorquinischen Nacht eine entscheidende Wende nahm, die danach nie wieder dieselben waren. Auf authentische Weise schildert Barceló ihre unterschiedlichen Charaktere, gibt jeder einzelner ihrer Figuren ein individuelles und prägendes Gesicht und lässt den Leser somit mit der Geschichte und dem Schicksal der jungen Mädchen, die mittlerweile reife Frauen sind, komplett verwachsen.
(Bild- und Textquelle: Pendo)

meine Meinung:

Barceló bietet einen faszinierenden und erschreckenden Einblick in das Spanien der
Siebzigerjahre, in die grausame Zeit der Franco-Ära, die mit blutigen
Aufständen und zugleich mit hoffnungsvollen jungen Menschen verbunden war, die
für sich und ihr Land einen Neuanfang erhofften. Dabei wechselt Barceló ständig
die Erzählebene, erzählt längst vergangene Ereignisse in der Gegenwartsform und
aktuelle in der Vergangenheit. Das verursacht eine ganz eigentümliche Stimmung,
die den Leser immer wieder auf das Wesentliche hinlenkt.

Fazit:

„Töchter des Schweigens“ überzeugt mit faszinierenden
Protagonistinnen, die allesamt vom Leben gezeichnet wurden und einer
berührenden und fesselnden Geschichte, die den Leser bis zum Ende in einem
unwiderstehlichen Sog gefangen hält.



Infos zum Buch:

Elia Barceló: Töchter des Schweigens, 432 Seiten, Pendo Verlag, 2. Auflage 2011, für Erwachsene

[Buchtipp] "Todeswunsch" von Michael Robotham

Inhalt:

Der Psychologe Joe O’Loughlin ist sich nicht sicher, ob er sich ausgerechnet Sienna Hegarty als beste Freundin für seine Tochter Charlie wünscht. Denn die frühreife Sienna ist nicht immer ein guter Umgang. Doch als sie eines Abends blutüberströmt bei den O’Loughlins auftaucht, nimmt Joe sich ihrer an. Denn im Haus der Hegartys ist etwas Schreckliches passiert: Siennas Vater liegt tot in ihrem Zimmer – jemand hat ihm die Halsschlagader durchtrennt. Sienna kann sich an nichts erinnern. Auf ihrer Kleidung klebt das Blut des Toten, und das Mädchen hat außerdem ein starkes Motiv für die Tat, wie Joe mit Hilfe seines Freundes, dem Ex-Polizisten Vincent Ruiz, herausfindet. Sienna wird des Mordes an ihrem Vater angeklagt, aber Joe ist von ihrer Unschuld überzeugt. Und er soll eine Wahrheit zu Tage fördern, die schwerer wiegt als alles, was er für möglich gehalten hätte …
(Bild- und Textquelle: Goldmann)


Meine Meinung:

Das Buch ist viel mehr als “nur” ein Psychothriller. Es handelt von Kindesmissbrauch, Rassismus, Machtmissbrauch & Manipulation, Prostitution, Erpressung, Ritzen, aber auch von Familie & Scheidung, Parkinson, Psychologie und Verlustängsten.

“Todeswunsch” ist das erste Buch, das ich von Michael Robotham gelesen habe und es hat mir sehr gut gefallen. Es war spannend, interessant und sehr vielseitig. Der Schreibstil hat mir sehr zugesagt und ich hätte nicht gedacht, dass ich bei einem Psychothriller auch so oft schmunzle oder so viele schöne Sätze, Abschnitte finde.


Als Vater oder Mutter ist man wie ein Trapezkünstler, der wissen muss, wann er loslässt, und zusieht, wie sein Kind durch die Luft wirbelt, nach der nächsten Sprosse greift und sich ausprobiert. Mein Job ist es, da zu sein, wenn meine Tochter zurückschwingt, breit, sie aufzufangen und wieder in die Welt hinauszuwerfen.

Die Ermittlercharakteren Joe O`Loughlin (Psychologe) und Vincent Ruiz (Ex-Polizist) sind sehr unterschiedlich und haben ihre Ecken und Kanten, was ich sehr spannend finde. Die beiden Männer waren mir sofort sympathisch. Ich fand es sehr interessant, wie O`Loughlin mit seiner Krankheit umgeht. Er hat sich allem Anschein nach damit arrangiert und nennt sie Mr. Parkison.


Früher habe ich geschlafen wie ein Bär, aber das war einmal. Jetzt liege ich wach und zähle meine Aussetzer und Zuckungen; ich kartografiere meinen Körper, um zu sehen, wie viel Terrain ich seit gestern an Mr. Parkinson verloren habe.

Ich finde das bewundernswert, habe mich aber auch gefragt, ob man das in Realität wirklich so “humorvoll” nehmen kann. Klar ist der Humor schwarz angehaucht, aber trotzdem . . . Meine Grossmutter ist an Parkinson gestorben und ich habe so also eine kleine Ahnung, wie schlimm es sein muss, wenn der Körper “zerfällt”, der Geist aber noch fit ist und all das realisiert.

Mir hat die Idee gefallen, dass für einmal ein Psychologe den Fall löst, denn er geht ganz anders an die Sache heran. Seine Beobachtungen zu den verschiedenen Personen fand ich sehr abwechslungsreich und spannend zu lesen. So wurde ihm einmal gesagt:


Sie versuchen, menschliches Verhalten zu verstehen und zu erklären. Ich nicht. Ich weiss nur, wir sind kleiner als Gorillas und grösser als Schimpansen, schlimmer als beide, und trotz all unserer Vernunft, unserer Regeln und Gesetzte, unsere niederen Instinkte stammen noch direkt aus dem Dschungel!

Langsam werden zwei Handlungsstränge ineinanderverknüpft und der eine bekommt immer etwas mehr an Wichtigkeit. Schnell merkt man, dass der Nebenstrang irgendetwas mit dem ”Hauptfall” zu tun hat. Der Shodown am Ente ist mir etwas gar kurz geraten. Damit ich wirklich alle Zusammenhänge verstandne habe, musste ich zum Teil den einen oder anderen Satz nochmals nachlesen.

Fazit:

Der vierte Band um Joe O`Loughlin hat mir wirklich super gefallen und macht Lust auf mehr. Ich habe Blut geleckt und werde ganz bestimmt auch die drei Vorgänger lesen.



Infos zum Buch:

Michael Robotham: Todeswunsch, 512 Seiten, Goldmann Verlag 2011

[Buchtipp] "Die Stadt der verschwundenen Kinder" von Caragh O`Brien


Auf Wunsch einer Kollegin habe ich das Buch für unsere Bibliothek angeschafft, obwohl ich nicht so überzeugt war, dass das Buch auch ausgeliehen wird, denn das Cover ist nicht so der Eyecatcher für die heutige Jugend (also zumindest nicht bei uns). Und wirklich, das Buch lag dann relativ lange auf dem Tisch mit den neuen Büchern und da es in der “Kleinen Auswahl” auch gute Kritik bekam, habe ich es dann einmal für mich ausgeliehen.


Infos:

Die junge Gaia gehört mit ihrer Mutter zu den wichtigsten Menschen ihrer Gemeinschaft: Als Hebamme muss sie jeden Monat die ersten drei Neugeborenen an der Mauer der Stadt abgeben – so lautet das Gesetz. Noch nie hat jemand es gewagt, gegen dieses Gesetz und die Herrscher jenseits der Mauer aufzubegehren. Doch dann werden Gaias Eltern verhaftet, und das Mädchen begibt sich auf die Suche nach dem Geheimnis der Stadt jenseits der Mauer – und nach dem Schicksal der verschwundenen Kinder …

Es ist eine unbarmherzige Welt, in der die sechzehnjährige Gaia aufwächst. Alles ist streng rationiert und jeder träumt von einem besseren Leben. Das ist jedoch nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die in einer geheimnisvollen Stadt leben, der Enklave, hinter einer unüberwindlichen Mauer. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was die Enklave ihnen zuteilt. Der Preis dafür ist hoch: Jeden Monat müssen die ersten drei Neugeborenen an der Mauer abgegeben werden. Wer sich weigert, wird mit dem Tod bestraft, besonders Hebammen wie Gaia und ihre Mutter. Doch dann werden eines Tages Gaias Eltern verhaftet. Für das junge Mädchen zerbricht eine Welt, und sie beginnt Fragen zu stellen: Was geschieht mit den verlorenen Kindern? Als Gaia auf der Suche nach Antworten heimlich die verbotene Stadt betritt, beginnt für sie ein Abenteuer voller Gefahren, und sie macht eine Entdeckung, die das Schicksal der Kinder und die Zukunft der Menschen für immer verändern wird …
(Bild- und Textquelle: Heyne)

Meine Meinung:

Wie am Anfang schon geschrieben, hat mich das Cover nicht überzeugt und ich habe das Buch nur nach Hause genommen, um mal zu schauen, was es denn so sei. Aber einmal begonnen, konnte ich mit dem Lesen kaum mehr aufhören.

Caragh O`Brien zeichnet uns in ihrem Debutroman “Die Stadt der verschwundenen Kinder” eine traurige Zukunft auf. Die Welt ist aufgeteilt in reiche Menschen, die innerhalb der Enklave leben, und in arme Menschen, die sich ausserhalb der Mauern selbst überlassen sind. Etwas komisch fand ich, dass die Leute Brot im Holzofen backen, aber es gibt doch auch weit entwickelte Technik. Von unserer Gesellschaft heute aus gesehen, geht also ein Teil der Entwicklung zurück in die Vergangenheit und der andere in die Zukunft. Aber das hat mich beim Lesen selber kaum gestört, denn die Geschichte von Gaia hat mich voll gefesselt.

Das Buch ist sehr spannend und flüssig geschrieben. Innerhalb des Buches wird die Spannung sehr gut aufgebaut. Zu beginn ist es noch sehr ruhig und man lernt Gaia kennen. Danach weden ihre Eltern verhaftet und dann geht plötzlich alles schnell. Gelegentlich gibt es Rückblicke auf Gaias Kindheit und auf ihre Eltern, so dass man die Situation besser kennen und verstehen lernt. Aber auch diese Rückblenden sind sehr interessant und machen das Buch auf keinen Fall langatmig. Und ganz wichtig für jedes Buch, das mir gut gefällt: Es gab auch Überraschungsmomente, die ich nicht erwartet hätte.

Die Babyabgabe empfand ich als schrecklich und ich musste mehr als einmal überlegen, ob ich das mit mir machen lassen hätte. Nur der Geburtstermin entscheidet, welche Mutter ihr Kind in die Enklave abgeben muss. Als junge Mutter hat es mich erstaunt, dass da nicht mehr Widerstand ausserhalb der Mauern aufkam und Gaia die Erste war, bei der sich das schlechte Gewissen meldete. Und nach der Verhaftung ihrer Eltern wagt sie, was sich sonst niemand traut: Sie schleicht sich in die Enklave.

Das Ende ist offen und ich warte nun gespannt auf den zweiten Teil. “Das Land der verlorenen Träume” kommt am 20. Februar 2012 auf den Markt.

Mein grosser Kritikpunkt gilt immer noch dem Buchcover, denn nachdem ich nun das Buch gelesen habe, passt es noch weniger. Ich weiss nicht, was diese gespiegelten Gesichter mit der Geschichte zu tun haben . . . und auch der Titel ist nach dem Lesen nicht mehr ganz stimmig . . . die Kinder sind ja eigentlich nicht verschwunden. Alle wissen, dass sie in der Enklave leben. Dafür haben mit die “Punkte” bei den Kapitelüberschriften gefallen, denn erst denkt man sich nicht viel dabei und mit der Zeit erfährt man die Bedeutung dafür.

Fazit:

Ein spannende Dystopie, die mich in eine andere Welt entführt hat. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen! Und ich hoffe, dass sich nicht alle vom Cover “abschrecken” lassen und es doch noch die eine oder andere Bibliotheksbenutzerin in die Hand nimmt – und dann nicht mehr weglegt.


Infos zum Buch:

Caragh O`Brien: “Die Stadt der verschwundenen Kinder”, 462 Seiten, Heyne Verlag, 2011
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

[Buchtipp] "Schattenblüte 01. Die Verborgenen" von Nora Melling


“Die Verborgenen” ist der erste Band der neuen romantischen Fantasyreihe “Schattenblüte”, die für Jugendliche wunderbar geeignet ist, aber auch Leser jeden Alters begeistern kann. Als ich das Buch in der Tasche mit neuen Büchern für die Bibliothek entdeckte, ist mir das Cover sofort aufgefallen. Es sieht geheimnisvoll und mystisch aus und die glänzenden, erhöhten Wassertropfen machen es noch spezieller.
Inhalt

Inhalt:

Die 17-Jährige Luisa hat ihren kleinen Bruder verloren. Um den Tod des Kindes zu vergessen, ziehen die Eltern mit Luisa nach Berlin um und verbannen alle Erinnerungen an Fabian. Luisa kommt damit nicht klar und kapselt sich in der fremden Stadt völlig ab. So streift sie einsam durch die Wälder von Berlin. Der Aussichtsrum im Grunewald kommt ihr daher gerade gelegen, um ihrem Elend ein Ende zu bereiten, doch ein geheimnisvoller Junge hält sie davon ab. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald. “Die Verborgenen” können ihre Gestalt ändern: Sie sind Werwölfe. Aber mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier.
(Bild- und Textquelle: Rowohlt)


meine Meinung:

Die Geschichte überrascht zunächst nicht: Ein junges Mädchen mit Problemen wird von einem geheimnisvollen, fremden Jungen gerettet und beide verlieben sich ineinander. Das Schöne finde ich aber, dass in diesem Buch der Fremde für einmal nicht der strahlende Superheld ist. In diesem Buch stehen die Gemobbten, die Verlierer, die früheren Opfer im Mittelpunkt.
Es ist auch nicht eine klassische Werwolfgeschichte, sondern vielmehr geht es um die Gefühlswelt von Jugendlichen - nicht um blutrünstige Bestien
Nora Melling geht äusserst sensibel mit den vielen schwierigen Themen um und regt zum Nachdenken an. Der Roman ist sehr feinfühlig, mit einer wunderschön zärtlichen Liebesgeschichte.

Das Buch wird aus der Sicht von Luisa in der Ich-Form erzählt. Speziell macht es, dass es im Präsens geschrieben ist. So hat man wirklich das Gefühl, mittendrin zu sein. Die Sätze sind einfach aufgebaut und meist kurz. Manchmal sogar sehr kurz. Und genau das gibt dem Buch einen fast poetischen Klang. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich konnte das Buch nicht mehr aus den Händen legen.
Fazit

Fazit:

“Schattenblüte; die Verborgenen” ist ein traumhaftes Buch. Es hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Es ist spannend, romantisch und anderst.
Leider kommt der zweite Band der Reihe erst im März heraus.


Infos zum Buch:

Nora Melling: “Schattenblüte; Die Verborgenen”, 352 Seiten, Rowohlt Polaris, 2010

[Buchtipp] "Ella in der Schule" von Timo Parvela



Es ist zwar schon eine Weile her, dass ich dieses Buch gelesen (und vorgelesen) habe, aber da es für mich eines der Highlights der Kinderbücher in den letzten Jahre ist, möchte ich es doch noch hier im Blog vorstellen, um es möglichst vielen weiterempfehlen zu können.

Inhalt:

Heute war wieder so ein lustiger Schultag: Der Lehrer hat selbst gesagt, Pekka dürfe die Seife nicht mit ins Schwimmbecken nehmen. Da hat Pekka sie eben an den Beckenrand gelegt. Natürlich ist der Lehrer darauf ausgerutscht ... Und weil nirgendwo sonst so komische Sachen wie in der Schule passieren, gehen Ella und ihre Freunde richtig gern zur Schule. Das Buch für die Schultüte, mit witzigen Illustrationen von Sabine Wilharm - zum Vorlesen und ersten Selberlesen!
(Bild- und Textquelle: Hanser)

meine Meinung:

Ich habe dieses Buch meiner damaligen 6. Klasse vorgelesen und wir haben zusammen tränen gelacht. Es ist mir also noch nie passiert, dass ich Buch stellenweise kaum vorlesen konnte, weil ich selber so lachen musste. Danach habe ich es allen andern Lehrern zum Vorlesen empfohlen und schon bald wurde in fast allen Klasse “Ella” vorgelesen. Und alle haben es geliebt: Von der 1. bis zur 6. Klasse.
Die Kleinen lachen über den Inhalt und die Streiche, die Ella und ihre Klassenkameraden spielen, die Grossen lachen über den Humor zwischen den Zeilen.
Es ist so besonders witzig, weil die Welt mit den Augen eines Kindes gesehen und erzählt wird.
Viele Bilder von Sabine Wilharm schmücken die Geschichte aus.

Und mich als Lehrerin haben natürlich schon die zwei Sätze auf der Rückseite des Buches zum Schmunzeln gebracht:

“In der Schule ist es wirklich lustig. An guten Tagen findet das sogar der Lehrer.”


Fazit:

Frisch, frech, witzig, Ella. Unbedingt lesen und vorlesen!



Infos zum Buch:

Timo Parvela: “Ella in der Schule”, 139 Seiten, Hanser, 2007
Altersempfehlung: zum Selberlesen so ab 8 Jahren, 
zum Vorlesen schon früher

[Buchtipp] “Warrior Cats 01; In die Wildnis” von Erin Hunter

Inhalt:

Sammy ist ein gewöhnliches Hauskätzchen mit feuerrotem Fell, geboren in einem Zweibeinerhaus. Neugierig wagt er sich an die Grenze des Waldes, wo er auf eine junge Kriegerkatze des “DonnerClans” trifft. Er wagt das Abenteuer und lässt sein bequemes Zuhause hinter sich. Doch im “DonnerClan” verspotten ihn einige Katzen “Einmal Hauskatze, immer Hauskatze” und sie meinen, er habe kein Kriegerblut. Doch da der Clan dringend neue Krieger zum Schutz ihres Territoriums benötigt, bekommt Sammy die Chance, sich zu bewähren.
Der erste Band der Warrior Cats Reihe versteht es spielend, seine Leser schon nach den ersten Seiten in seinen Bann zu ziehen. Sammy ist einem sofort sympathisch und auch die meisten Katzen des DonnerClans mag man bald.
(Bild- und Textquelle: Beltz&Gelberg)

meine Meinung:

In diesem Buch wird man direkt in die Welt der Katzen versetzt und man lernt die ursprüngliche Natur der Katzen kennen, denn die Katzen leben freu nach ihren eigenen Regeln. Dabei wird nichts beschönigt. Man erfährt alles von der Jagd nach der Beute, der Schwierigkeit alle Mäuler zu stopfen, von den blutigen Revierkämpfen unter den vier KatzenClans, den Intrigen innerhalb des DonnerClans bis hin zu tiefer Freundschaft.

Einmal begonnen, hat mich “Warrior Cats” in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Empfohlen wird das Buch ab 10 Jahren, doch auch ich als erwachsene Person habe es sehr gerne gelesen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen, bis ich wusste, wie der erste Band endet.

Laut Wikipedia handelt es sich bei der Autorin “Erin Hunter” um ein Pseudonym, hinter dem sich vier Autorinnen verbergen (Kate Carry, Cherith Baldry, Victoria Holmes und Tui Sutherland). Die erste Reihe von 6 Bänden ist schon auf dem Markt und eine zweite Reihe “Warrior Cats; Die neue Prophezeiung” ist nun an der Reihe.

Fazit:

Ein packendes Epos aus einer Welt, in der die netten Vierbeiner noch richtige Raubtiere sind. Abenteuer vom Feinsten.

Infos zum Buch:

Erin Hunter: “Warrior Cats 01; In die Wildnis”, 320 Seiten, Beltz & Gelberg, 3. Auflage 2011
Altersempfehlung: ab 10 Jahren

[Buchtipp] "Verderbnis" von Mo Hayder


Mo Hayder legt in VERDERBNIS, ihrem vierten Jack Caffery-Krimi, den Focus auf einen psychologisch fein erzählten Thriller, der mit vielen Überraschungen aufwartet.

Schon wieder hat der Autodieb zugeschlagen: auf einem
Supermarkt-Parkplatz in der Nähe von Bristol wird ein wertvoller
Oberklasse-Wagen entwendet. Erst glaubt die Polizei und auch der Detective
Inspector Jack Caffery, dass es der Täter nur auf den Wagen abgesehen hat. Doch
dann müssen sie feststellen, dass auf dem Rücksitz die 11-jährige Martha saß –
und seitdem verschwunden ist. Die sofort eingeleitete Grossfahndung ist noch
nicht beendet, da tauchen Hinweise auf, dass es der Täter wieder tun wird. Und
wirklich: kurz darauf wird ein weiteres Kind entführt, wieder in einem Auto.
Jack Caffrey geht allen Hinweisen minutiös nach und kommt bald einem jungen
Mann auf die Spur, der als Hausmeister bei der Polizei arbeitet. Doch ist der
wirklich der Täter?

Mo Hayder, die bislang vor allem durch die perfekt
platzierten Schockeffekte in ihren Büchern bekannt geworden ist, legt in
„Verderbnis“ den Focus auf einen psychologisch fein erzählten Thriller, der mit
vielen Überraschungen aufwartet. Ich bin ein Thriller und Krimifan und suche hier immer die speziellen Exemplare. Auch der weitere Band von Mo Hayder erfüllt meine Erwartungen. “Haut” ist der Vorgänger und auch in unserer Mediathek vorhanden.


Infos zum Buch:

Mo Hayder: “Verderbnis”, 448 Seiten, Goldmann Verlag, Februar 2011

[Buchtipp] "Tausend kleine Schritte" von Toni Jordan


Inhalt:

Nach einem tragischen Unfall in ihrer Kindheit, an dem sich Grace Lisa Vandenberg die Schuld gibt, beginnt sie zu zählen. Sie zählt die Buchstaben ihres Namens (19), die Borsten ihrer Zahnbürste (1768), die Mohnstreusel auf ihrem Orangenkuchen (12-92)… Nur das Zählen gibt ihrem Leben Halt und bewahrt sie vor der Verzweiflung und den Panikattacken.

Seit einiger Zeit arbeitet sie nicht mehr als Lehrerin und konzentriert sich ganz auf das Zählen und die Ordnung in ihrem Alltag. Nur mit einem hat sie nicht gerechnet: mit ihrer Liebe zu Seamus Joseph O’Reilly (19 Buchstaben). Seamus bringt alles durcheinander.
(Bild- und Textquelle: Piper)

Meine Meinung:

Ich zähle selber viele Sachen: Fensterläden an Fassaden, Strassenpfähle beim Vorbeifahren, Treppenstufen beim Hinaufsteigen. Das und das schöne Cover haben mich zum Lesen verführt und ich wurde nicht enttäuscht.

“Tausend kleine Schritte” ist eine wunderbare Liebeskomödie – leicht und warmherzig erzählt – und behandelt doch ein ein so ernstes Thema einer Zwangsneurose. Das ist für mich die Kunst von feinfühligem Schreiben.
Grace und ihre Geschichte zaubert ein Lächeln in das Gesicht des Lesers und lässt uns die wunderbaren kleinen Momente, die leicht im Trubel des Lebens untergehen, intensiver wahrnehmen.

“Leben heisst nicht, am Altar zu warten, oder auf den Augenblick, wenn dein Kind zur Welt kommt, oder das eine Mal, als du im tiefen Wasser mit einem Delfin geschwommen bist … Leben heisst Zähne putzen, ein Sandwich belegen, Nachrichten sehen, auf den Bus warten…” Im Alltag liegt der Zauber.

Fazit:

Das ist ein Buch über kleine und grosse Ticks und eine Ermutigung zum Anderssein. Witzig und berührend!


Infos zum Buch:

Toni Jordan: “Tausend kleine Schritte”, 272 Seiten, Piper, 2009

[Buchtipp] "Mordsfreunde" von Nele Neuhaus



Inhalt:

Ein Tierpfleger des Opel-Zoos im Taunus macht eine grausige Entdeckung: Im Elefantengehege liegt eine menschliche Hand. Die Dazugehörige Leiche finden Kommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff ein einer Wiese gegenüber dem Zoogelände. Der Tote war ein Lehrer und vehementer Tier- und Unweltschützer. Wirklich ungelegen kommt Paulys Ableben fast niemandem in Kelkheim, denn beliebt war er nur bei einigen Jugendlichen.

meine Meinung:

Auch im zweiten Fall gibt es für das Ermittlerduo Bodenstein / Kirchhoff ein paar Nüsse zu knacken, denn wie schon in den zwei andern Büchern, die ich von Nele Neuhaus gelesen habe, tummeln sich unzählige Verdächtige, die alle ein gutes Motiv hätten.

Der Autorin ist es auch in diesem Band gelungen, mich von der ersten Seite zu fesseln. Ihr unterhaltsamer und rasanter Schreibstil gibt einem sofort das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Ich wusste lange nicht, wohin die Spur führt und habe selber einige Mitwirkende verdächtigt.

Ihre beiden Protagonisten beschreibt Nele Neuhaus sehr detailreich und man erhält auch einen Einblick in das Privatleben der beiden Ermittler. Diese Nebenstränge sind geschickt in den Krimi eingearbeitet, ohne ihm Spannung zu nehmen. Im Gegenteil: Sie lassen die Polizisten noch lebendiger wirken und man leidet noch mehr mit ihnen mit.

Fazit:

Für mich ist Nele Neuhaus die Krimi-Entdeckung und ich freue mich nun schon auf den dritten Band.

Infos zum Buch:

Nele Neuhaus: “Mordsfreunde”, 400 Seiten, Ullstein Taschenbuchverlag, 2009


Kinderbücher






 Margit Auer: Die Schule der magischen Tiere